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In dieser Episode des AI FIRST Podcasts spricht Felix mit Romina Medici, verantwortlich für Data & AI Plattform-Komponenten und Data Governance bei E.ON. Sie teilt ihre Erfahrungen aus über sieben Jahren Transformation und erklärt, warum Daten und KI wie Produkte – und nicht wie Projekte – gemanagt werden müssen, um nachhaltig Mehrwert zu schaffen.
Romina Medici ist bei E.ON für alle Data- und AI-Plattform-Komponenten verantwortlich – von Databricks über Power BI bis hin zur selbstgebauten Datenplattform und Snowflake. Zusätzlich verantwortet sie das Datenfundament: Data Governance und Datenmanagement at Scale. Sie bringt über sieben Jahre Erfahrung in der Transformation von Daten- und KI-Initiativen mit.
Warum Projekte nicht skalieren
Romina erklärt, dass ein projektbasierter Ansatz für Daten und KI ab einem gewissen Reifegrad nicht mehr funktioniert. Projekte haben einen festen Start- und Endzeitpunkt – doch nach Projektende sind die Mitarbeiter weg, nichts ist dokumentiert, und das Ergebnis wird nicht weiter betreut. Das führt dazu, dass laut Studien etwa 80% der gebauten Lösungen letztlich weggeworfen werden. Besonders problematisch: Wenn ein Unternehmen in mehreren Ländern aktiv ist, muss bei einem Projektansatz alles komplett neu gebaut werden – Double Investments ohne Skalierungseffekte.
Daten & KI wie ein Business managen
Der Kernansatz von Romina: Daten und KI müssen wie ein Profit-Center geführt werden. Das bedeutet eine klare Vision, messbare KPIs, Go-to-Market-Strategien und echte Revenue-Generierung. Es geht darum, nachhaltige Produkte zu bauen, die kontinuierlich Mehrwert liefern – nicht einmalige Projektergebnisse, die nach sechs bis zwölf Monaten in der Schublade verschwinden. Dieser Ansatz erfordert ein völlig anderes Mindset: Marketing, Sales und Customer Success werden zu zentralen Funktionen.
Praxisbeispiel: E.ON Data House
Das E.ON Data House ist eine Self-Service-Datenplattform nach dem Amazon-Prinzip: Nutzer gehen in einen Katalog, wählen Datenquellen aus, konfigurieren Pipelines selbst und bekommen die Daten "geliefert". Der Aufbau dauerte drei Jahre mit globalem Budget. Ab Jahr vier musste sich die Plattform selbst refinanzieren – und war bereits profitabel. Seitdem verzeichnet das Team 15-20% Revenue Growth pro Jahr bei gleichbleibender Teamgröße. Technische Herausforderungen waren enorm: Die erste SAP-Anbindung dauerte 262 Tage, Zählerdaten lagen auf 50 On-Premise-Servern bei einem Vendor, der den Zugriff verweigerte.
Customer Success & internes Marketing
Romina behandelt interne Kunden wie externe: wöchentliche bis zweiwöchentliche Gespräche mit Kernkunden, volle Transparenz über Tickets, starkes Customer Relationship Management und Success Management. Das Team macht Roadshows, fährt in jede Unit, hört Feedback an und veranstaltet Jahresevents für die Plattform-Community. Ein Kunde sagte einmal: "Wir haben uns oft aufgeregt, aber ich mag dich, Romina, deswegen ist das okay." – Relationship ist mindestens genauso wichtig wie das Produkt selbst.
Pricing-Modell & Anreizstruktur
Das Pricing folgt einem einfachen Pay-per-Use-Modell: Kunden zahlen für das, was sie konsumieren. Ein Beispiel: Drei Units verursachten innerhalb von zwei Wochen 300.000 Euro Kosten durch exzessives Datenladen – das Team sprach sie proaktiv an. Der Anreiz ist nicht Profitmaximierung, sondern Skalierung und Kosteneffizienz über den Gesamtkonzern. Je mehr Nutzer die zentrale Plattform verwenden, desto weniger gibt E.ON insgesamt für das Thema aus.
Organisationsstruktur
Das Team umfasst ca. 40 FTEs (Onshore/Nearshore/Offshore) und managt 12-15 Produkte mit 10.000-20.000 Nutzern. Die Struktur:
Buy vs. Build
Romina betont: Das meiste wird eingekauft, nicht selbst gebaut. Nur wo es wirklich ins Herz des Unternehmens geht – wie bei der Datenplattform – wurde selbst entwickelt. Power BI, Fabric und andere Tools werden vom Markt geholt, aber nach eigenen Governance-Regeln bereitgestellt. Der Federated Approach erlaubt es allen, auf der Plattform zu bauen, aber mit klaren Standards und Limitationen.
"Projekte skalieren nicht. Und wenn ich skalieren möchte, dann muss ich an Produkten denken."
"Dein Projektlaufzeit ist zu Ende, dein Produkt ist quasi tot. Weil es gibt kein Operating Model, was das weiter betreut."
"Die Leute müssen aktiv sich entscheiden, eine Subscription zu machen. Das ist ein anderes Niveau. Da musst du den Leuten auch andere Sachen liefern."
"Die sollen sich vorstellen, dass sie sich auf einen Marathon vorbereiten und nicht auf einen Sprint."
"Ich bin seit sieben Jahren dafür verantwortlich. Und das wird nicht leichter... Als ich angefangen habe, habe ich gesagt, 10 bis 15 Jahre."
Diese Episode zeigt eindrucksvoll, wie ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Daten und KI aussehen kann. Die wichtigsten Erkenntnisse für dich:
Zum Gast: Romina Medici
Zum Host: Felix Schlenther