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Benedikt Böhringer von Jamie verrät, wie sein KI-Startup mit unter 20 Personen auf 10 Mio. € ARR skaliert: Von Produktstrategie gegen Microsoft bis zu KI-Tools wie Cursor, eigenen AI-Pipelines und der Vision von 100 Mio. € in 3 Jahren.
# Show Notes: Aufbau eines AI-First StartUps mit Benedikt Böhringer (Jamie)
## Intro
In dieser Episode spricht Felix mit Benedikt Böhringer, Gründer und CEO von Jamie, einem Privacy-First-Meeting-Assistenten. Das Gespräch dreht sich um die Herausforderungen und Chancen beim Aufbau eines KI-Unternehmens im hochdynamischen Markt: Wie verteidigt man sich gegen Tech-Giganten? Wie nutzt man KI in den eigenen Prozessen? Und wie baut man ein Team auf, das mit unter 20 Personen auf 10 Millionen Euro Umsatz skalieren kann?
## Inhaltsübersicht
- Jamie's Entstehungsgeschichte: Vom Problem zur Lösung (vor ChatGPT)
- Aktuelle Unternehmenszahlen: Mehrere tausend Kunden, 700% Wachstum
- Wettbewerb gegen Microsoft, Google & Co.: Fokus auf Produktqualität
- KI in der eigenen DNA: Automatisierung, Cursor, AI-Agents im Customer Success
- Human in the Loop: Wo KI bereits heute übernommen werden kann
- Skalierung mit minimalen Teams: 10M€ mit unter 20 Personen?
- Best Practices für Meeting-Assistenten: Vorlagen, Integration, Kontextaufbau
- Vision: 100 Millionen ARR in 3 Jahren durch Fokus auf Meeting-Use-Case
## Über den Gast
**Benedikt Böhringer** ist Gründer und CEO von **Jamie**, einem DSGVO-konformen Meeting-Assistenten, der automatisiert Zusammenfassungen erstellt und Aufgaben aus Meetings extrahiert. Jamie funktioniert plattformunabhängig – auch bei In-Person-Meetings und ohne lästigen Bot.
Benedikt hat Jamie vor über drei Jahren gegründet, etwa zwei Monate vor dem Launch von ChatGPT, und das Unternehmen seitdem organisch auf mehrere tausend zahlende Kunden skaliert. Mit einem niedrigen bis mittleren siebenstelligen ARR und 700% Wachstum im letzten Jahr gehört Jamie zu den erfolgreichsten deutschen KI-Startups.
Persönlich nutzt Benedikt intensiv KI-Tools wie ChatGPT für Dokumentation, Datenanalyse und Research, Cursor für Produktentwicklung, Clay für Sales-Automatisierung und natürlich Jamie selbst in allen Meetings.
## Detaillierte Zusammenfassung
### Die Entstehungsgeschichte: Problem first, Technologie second
Anders als viele KI-Startups, die nach ChatGPT entstanden sind, startete Jamie vom Problem aus. Benedikt und sein Co-Founder Louis Kaufhörer bauten zunächst eine Plattform für asynchronen Informationsaustausch, weil sie feststellten, dass Slack zu chaotisch und Notion zu statisch war.
Doch das eigentliche Problem lag woanders: **Informationen aus Meetings wurden nicht sauber dokumentiert**. Benedikt selbst führte viele Kundengespräche und hatte keine Freude am Mitschreiben – und verlor dadurch Fokus.
Die Lösung: Ein automatischer Meeting-Assistent. Innerhalb einer Woche bauten sie eine Landing Page mit Warteliste und Preisindikation. Nach dem Launch auf LinkedIn kamen innerhalb von 24 Stunden mehrere hundert Anmeldungen. Der Product-Market-Fit war validiert.
### Aktuelle Unternehmenszahlen und Wachstum
- **Mehrere tausend zahlende Kunden** (B2C und B2B)
- **Niedrig bis mittlerer siebenstelliger ARR**
- **Knapp 700% Wachstum** im letzten Jahr
- **Komplett organisches Wachstum**, primär über SEO
- Kunden: Einzelpersonen im Business-Kontext sowie Unternehmenskunden mit teamweiter/unternehmensweiter Einführung
### Navigationspunkte in einem dynamischen Markt
**Auf Company-Level:**
- **Noise filtern**: Nicht jede neue Technologie ist automatisch besser. Jamie testet neue Modelle rigoros, bevor sie integriert werden
- **Fokus auf Produktqualität statt Kosten**: Priorität liegt auf der besten Zusammenfassung für Nutzer
- **Kontinuierliche Infrastruktur-Anpassung**: Wenn bessere Modelle verfügbar sind, werden sie eingebaut
**Auf persönlicher Ebene:**
- Anfangs war jede neue Competition (z.B. Co-Pilot) eine Herausforderung
- Heute: **Fokus auf eigene Stärken** statt auf Wettbewerber
- Sehr nah am Kunden bauen
- Paradox: Das beste Wachstumsjahr trotz der meisten Competition
**SEO als Erfolgskanal:**
Früh Content produziert und bei relevanten Keywords platziert. Als der AI-Hype kam, profitierte Jamie von steigendem Search-Volume.
### Wettbewerb gegen Tech-Giganten
Die Frage, wie Jamie gegen Microsoft (Co-Pilot), Google (Meet) und Zoom konkurrieren kann, beantwortet Benedikt klar:
1. **Produktqualität durch Fokus**: Meeting-Zusammenfassungen sind Jamie's Kerngeschäft, nicht ein Nice-to-have-Feature
2. **Plattformunabhängigkeit**: Nutzer wollen alle Meetings an einem Ort – egal ob Zoom, Teams, Google Meet oder In-Person
3. **Bessere Qualität in der Praxis**: Selbst Kunden mit Co-Pilot-Lizenz kaufen Jamie, weil die Zusammenfassungen detaillierter und besser sind
Historische Beispiele wie **Dropbox** (gegen Google Drive/OneDrive) oder **Superhuman** (gegen Gmail) zeigen: Fokussierte Best-of-Breed-Lösungen können gegen Plattform-Player gewinnen.
### KI in der eigenen DNA: Wie Jamie intern arbeitet
**Grundprinzip:** Bei jedem Problem wird zuerst gefragt: **Lässt sich das automatisieren statt über Human Capital lösen?**
**Konkrete Tools und Anwendungen:**
- **Cursor**: Für Produktentwicklung, massiver Geschwindigkeitsgewinn
- **ChatGPT**: Team-weit für Dokumentation, Formulierungen, Datenanalyse, Research
- **Eigene AI-Pipeline im Customer Success**: Angebunden an Dokumentation und Wissensdatenbank, generiert Antwort-Vorschläge
- **Clay**: Für Sales-Prozessautomatisierung
- **Jamie selbst**: In allen internen Meetings
- **AI-Features in bestehenden Tools**: z.B. Figma's Bildbearbeitung für virtuelle Backgrounds
**Kultureller Shift:**
"Wenn jemand bei uns im Team vor einem Problem steht, wird nicht direkt der Kollege gefragt, sondern erstmal mit ChatGPT geschaut, wie man das Problem selber lösen kann."
### Human in the Loop: Wo ist die Grenze?
Ein faszinierender Teil des Gesprächs dreht sich um die Frage: **Wann brauchen wir noch Menschen?**
**Beispiel Customer Success:**
- AI erstellt Antwort-Vorschläge basierend auf Dokumentation
- Mensch liest final drüber und prüft
- Resultat: Verzögerung der Notwendigkeit, Team aufzubauen (10% FTE reichten initial länger)
**Felix' Provokation:**
Die Error-Rate von AI liegt bei ~1%, aber Menschen haben auch ~1% Fehlerquote. Wir überschätzen menschliche Genauigkeit und unterschätzen AI-Fähigkeiten.
**Benedikts Einschätzung:**
Es ist auch ein **psychologisches Thema** – Kontrollbedürfnis, ähnlich wie in der Medizin, wo AI statistisch bessere Diagnosen stellt, aber Menschen trotzdem das letzte Wort haben wollen.
**Aktuelle Barrieren für vollständige Automatisierung:**
Nicht die Technologie, sondern:
- Alte Systeme
- Nicht gepflegte Daten
- Unklare Prozesse
### Skalierung mit minimalen Teams
**Benedikts Prognose:**
- **10 Millionen ARR**: Unter 20 Personen (nur 3 mehr als jetzt)
- **100 Millionen ARR**: Etwa 50 Personen
Zum Vergleich: Das wäre vor 10 Jahren unmöglich gewesen.
**Aber:** Es hängt stark von der Go-to-Market-Motion ab. Sales-heavy Modelle mit Enterprise-Kunden brauchen mehr Menschen. Die menschliche Komponente in Meetings bleibt wichtig – virtuelle Avatare sind noch nicht der Standard.
**Effizienz-Hebel:**
- Produktteam ist extrem effizient (Cursor etc.)
- Marketing ist effizient (SEO)
- Customer Success ist automatisiert
- Kernel: Produktentwicklung als Kernwertschöpfung
### Best Practices für Meeting-Assistenten
**1. In allen Meetings nutzen**
Man weiß während des Meetings nicht, welche Information später fehlen wird. Kontext aus allen Meetings sammeln.
**2. Vorlagen nutzen**
Standardisierte Formate für verschiedene Meeting-Typen (z.B. Recruiting-Interview mit Feldern wie Gehaltsvorstellung, Startdatum, Vollzeit/Teilzeit)
**3. Integration in bestehende Workflows**
z.B. CRM-Felder automatisch füllen im Sales. Nicht den Workflow disrupten, sondern ergänzen.
**4. Chat-Funktionalität nutzen**
Mit dem Meeting-Kontext chatten: "Wie hat sich Projekt XYZ über die letzten Wochen entwickelt?"
**Adoption:** 30-40% der Jamie-Nutzer nutzen Integrationen aktiv.
### Die Kontext-Herausforderung
Ein tiefgehendes Thema: **Meeting-Assistenten als Kontextmaschinen**.
Felix' These: Je mehr akkurater, relevanter Kontext KI-Agents haben, desto besser ihre Ergebnisse. Meetings produzieren täglich neuen Kontext. Aber: **Wie strukturiert man diesen Kontext für maximale Nutzbarkeit?**
**Benedikts Ansatz:**
- **Briefings-Feature** (in Entwicklung): Vor Meetings Kontext aus vergangenen Konversationen, Kalender, E-Mail, Internet
- Fokus aktuell nur auf Meeting-Kontext
- Anerkennung: Integration verschiedener Datenquellen ist komplex, aber enormes Wertschöpfungspotenzial
**Felix' Workaround:**
Transkript → Agent → Mini-Zusammenfassung → Notion-Wissensdatenbank → Zugriff durch andere Agents
Beide sind sich einig: Die finale Antwort ist noch nicht gefunden, aber die Richtung ist klar.
### Kulturelle Akzeptanz in Unternehmen
Überraschenderweise: **Kaum Widerstände** bei der Einführung in größeren Unternehmen.
Datenschutz ist wichtig (daher DSGVO-Konformität), aber keine Beschwerden über Meeting-Aufzeichnung.
**Benedikts Interpretation:**
"Unser Produkt gibt kein Judgment, sondern fasst objektiv das Besprochene zusammen. Objektiver geht es nicht."
Wenn es Widerstände gibt, ist es oft ein **Kultur-Test**: Transparenz vs. Defensivität.
### Vision: 100 Millionen ARR in 3 Jahren
**Ziel:** Über 100 Millionen ARR aus Europa heraus
**Strategie:**
- Jegliche Form von Busy Work rund um Meetings eliminieren
- Nicht nur Zusammenfassungen, sondern:
- Context Enrichment während Meetings
- Aufgaben direkt automatisieren
- Briefings vor Meetings
- **Starker Fokus auf den Meeting-Use-Case** als Differenzierung gegen Microsoft & Google
### Zukunft der KI: Haben wir die Spitze erreicht?
**Benedikts Einschätzung:**
- Die Spitze ist noch **lange nicht erreicht**
- Entwicklungsgeschwindigkeit wird anhalten
- Bessere LLMs würden helfen, aber Jamie ist **nicht darauf angewiesen** für die aktuelle Vision
- Gespannt auf **Merge Labs** (ähnlich Neuralink): Verknüpfung von biologischer und künstlicher Intelligenz
## Kernaussagen
1. **"Wir sind vom Problem ausgegangen, nicht von der Technologie. Viele Informationen, die in Meetings besprochen werden, werden einfach nicht sauber dokumentiert."**
2. **"Am Ende kommt es sehr stark auf die Produktqualität an. Das ist unser Fokus – wir stecken all unsere Energie genau da rein. Während für die Großen das nur ein kleiner Teil ist."**
3. **"Wir denken viel, viel stärker grundsätzlich erstmal in Automatisierung. Wenn wir ein Problem haben, schauen wir: Lässt sich das anders lösen als über Human Capital?"**
4. **"Wenn jemand bei uns im Team vor einem Problem steht, wird nicht direkt der Kollege gefragt, sondern erstmal mit ChatGPT geschaut, wie man das Problem selber lösen kann."**
5. **"10 Millionen ARR mit unter 20 Personen, 100 Millionen mit etwa 50 – das wäre vor zehn Jahren so nicht möglich gewesen."**
6. **"Wir fokussieren uns wesentlich stärker auf uns selbst. Das letzte Jahr war das Beste, obwohl es objektiv die meiste Competition gab."**
7. **"Meeting-Assistenten sind Kontextmaschinen. Wenn KI-Agents ein besseres Verständnis davon haben, was wann, wie, wo passiert ist, bekommen Sie Ergebnisse, die in diesen Kontext passen."**
## Fazit und Takeaways
### Für Gründer von KI-Startups:
- **Problem first**: Starte vom echten Nutzerproblem, nicht von der verfügbaren Technologie
- **Fokus schlägt Feature-Breite**: Auch gegen Tech-Giganten kann man mit überlegener Qualität in einer Nische gewinnen
- **Noise filtern**: Nicht jede neue AI-Innovation sofort übernehmen – hart prüfen, was wirklichen Wert bringt
- **Früh auf SEO setzen**: Bei steigendem Search-Volume in einem Hype-Markt profitieren
### Für Unternehmen, die KI einsetzen:
- **Automatisierung first**: Bei jedem Problem zuerst fragen, ob es automatisiert lösbar ist
- **Kulturwandel etablieren**: Team dazu anhalten, erst mit AI-Tools zu arbeiten, bevor Kollegen gefragt werden
- **Human in the Loop überdenken**: Viele Prozesse könnten bereits heute stärker automatisiert werden – oft ist es ein psychologisches Kontrollthema
- **Kontext ist King**: Meeting-Kontext systematisch sammeln und für AI-Agents nutzbar machen
### Für Nutzer von Meeting-Assistenten:
- **Konsequent in allen Meetings nutzen** – man weiß vorher nicht, welche Info später fehlt
- **Vorlagen für verschiedene Meeting-Typen** erstellen (Recruiting, Sales, Projekt-Updates)
- **In bestehende Workflows integrieren** (CRM, Projektmanagement-Tools)
- **Chat-Funktionalität nutzen**, um Entwicklungen über mehrere Meetings hinweg zu tracken
### Ausblick:
Benedikt Böhringer von Jamie erklärt, wie sein KI-Startup 700% Wachstum erreichte: Von der Produktentwicklung gegen Microsoft & Google über KI-Automatisierung bis zur Vision, mit unter 20 Mitarbeitenden auf 10 Mio. € zu skalieren.
Die Entwicklung von KI ist noch lange nicht am Ende. Unternehmen, die KI wirklich in ihre DNA integrieren, können mit dramatisch kleineren Teams skalieren als je zuvor. Der Wettbewerb wird sich verschärfen, aber fokussierte, qualitativ überlegene Lösungen haben auch gegen Tech-Giganten eine Chance – wenn sie nah am Kunden bleiben und echte Probleme lösen.
# Show Notes: Wie Jamie mit 20 Leuten auf 10 Mio. Euro Umsatz wächst
## Intro
In dieser Episode spricht Felix mit Benedikt Böhringer, Gründer und CEO von Jamie, einem Privacy-First-Meeting-Assistenten, der im letzten Jahr knapp 700% gewachsen ist – komplett organisch und gegen Tech-Giganten wie Microsoft und Google. Benedikt gibt tiefe Einblicke, wie man im aktuellen KI-Boom ein erfolgreiches Unternehmen aufbaut, warum Produktqualität Distribution schlägt und wie sein Team mit unter 20 Personen auf 10 Millionen Euro Umsatz wachsen will.
## Inhaltsübersicht
- Die Entstehungsgeschichte von Jamie – zwei Monate vor dem ChatGPT-Launch
- Warum Jamie trotz Microsoft Co-Pilot und Google Meet erfolgreich ist
- Wie KI die DNA des Unternehmens prägt: Tools, Workflows und Automatisierung
- Die radikale These: Mit unter 20 Personen auf 10 Mio., mit 50 auf 100 Mio. Euro
- Meeting-Assistenten als "Kontextmaschinen" für KI-Agenten
- Best Practices: Wie man Meeting-Assistenten wirklich optimal nutzt
- Vision für die Zukunft: 100 Mio. ARR in drei Jahren
## Über den Gast
**Benedikt Böhringer** ist Gründer und CEO von Jamie, einem DSGVO-konformen Meeting-Assistenten, der seit knapp über drei Jahren am Markt ist. Das Unternehmen hat mehrere tausend zahlende Kunden und befindet sich im niedrigen bis mittleren siebenstelligen ARR-Bereich. Benedikt und sein Team haben Jamie bewusst vor dem ChatGPT-Hype gestartet – vom Problem ausgehend, nicht von der Technologie. Persönlich nutzt er intensiv ChatGPT für Dokumentenerstellung, Datenanalyse und Research, sowie natürlich Jamie für alle Meeting-Zusammenfassungen.
## Detaillierte Zusammenfassung
### Von Problem zu Produkt: Die Entstehungsgeschichte
Jamie startete etwa zwei Monate vor dem ChatGPT-Launch – zu einer Zeit, als KI-Modelle bereits über APIs verfügbar waren, aber der große Hype noch nicht begonnen hatte. Der entscheidende Unterschied zu vielen späteren Startups: Benedikt und sein Co-Founder Louis Kaufhörer gingen vom Problem aus, nicht von der Technologie.
Ursprünglich bauten sie eine Plattform für asynchrones Informations- und Wissensmanagement. Sie beobachteten, dass Slack zu chaotisch und Notion zu statisch war. Doch beim Testen stellten sie fest: Das eigentliche Problem war nicht der Speicherort von Informationen, sondern dass unfassbar viele Informationen aus Meetings überhaupt nicht dokumentiert wurden. Benedikt selbst führte damals viele Kundengespräche und stellte fest, wie viel Fokus beim manuellen Mitschreiben verloren ging.
Die Lösung: Ein Feature für automatische Meeting-Zusammenfassungen. Als sie dieses Konzept potenziellen Kunden pitchten, lag die gesamte Begeisterung bei diesem einen Feature. Innerhalb einer Woche bauten sie eine Landingpage mit Warteliste und Preisindikation. Nach dem Launch auf LinkedIn hatten sie innerhalb von 24 Stunden mehrere hundert Anmeldungen – der klare Signal-Moment, dass echter Bedarf existierte.
### Wachstum gegen die Tech-Giganten
Mit knapp 700% Wachstum im letzten Jahr beweist Jamie, dass auch kleine Teams gegen Microsoft, Google und Zoom bestehen können. Die Erfolgsprinzipien:
**Produktqualität schlägt Distribution**: Kunden mit bestehender Microsoft Co-Pilot-Lizenz kaufen trotzdem Jamie, weil die Qualität der Meeting-Zusammenfassungen besser ist. Der Grund: Für Jamie ist es der Kernfokus, für die Tech-Giganten nur ein Feature unter vielen.
**Plattformunabhängigkeit als Differenzierung**: Im Gegensatz zu integrierten Lösungen funktioniert Jamie über alle Meeting-Plattformen hinweg – Zoom, Google Meet, Teams – und sogar bei Meetings, die in Person stattfinden. Die Realität ist: Menschen springen zwischen verschiedenen Tools. Wer alle Meeting-Zusammenfassungen an einem Ort haben will, braucht eine plattformunabhängige Lösung.
**Privacy-First statt Big Tech**: Die DSGVO-konforme Lösung ohne "lästigen Bot" im Meeting spricht vor allem europäische Enterprise-Kunden an, für die Datenschutz entscheidend ist.
**Organisches Wachstum durch SEO**: Jamie ist bisher komplett organisch gewachsen, hauptsächlich über SEO. Das Team setzte sehr früh auf diesen Kanal und konnte sich bei relevanten Keywords positionieren, bevor der große AI-Hype kam. Dann profitierten sie vom steigenden Suchvolumen.
### KI in der DNA: Wie Jamie intern arbeitet
Als Unternehmen der "ersten KI-nativen Generation" denkt das Jamie-Team fundamental anders über Arbeit:
**Automatisierung zuerst**: Bei jedem Problem fragen sie sich: Lässt sich das anders lösen als über Human Capital? Die Antwort ist oft noch nein, aber die Denkweise ist eine andere.
**Konkrete Tool-Nutzung**:
- **Cursor** für Produktentwicklung – macht das gesamte Team wesentlich schneller
- **Eigene AI-Pipeline** im Customer Success: Angeknüpft an Dokumentation, generiert Antwort-Vorschläge für wiederkehrende Fragen (Human in the Loop für finale Prüfung)
- **ChatGPT** intensiv im gesamten Team – für Formulierungshilfen, Datenanalyse, Research
- **Clay** für Prozessautomatisierung im Sales
- **Jamie** selbst natürlich für alle Meetings
- AI-Features in bestehenden Tools wie Figma für Bildbearbeitung
**Kultureller Wandel**: Wenn jemand im Team vor einem Problem steht, wird nicht direkt der Kollege gefragt, sondern erstmal mit ChatGPT geschaut, wie man das Problem selbst lösen kann. Diese Selbstständigkeit durch KI ist laut Benedikt "enorm wichtig".
### Die radikale Effizienz-These
Benedikt macht eine bemerkenswerte Aussage: Mit **unter 20 Personen** auf **10 Millionen Euro** Umsatz, mit **50 Personen** auf **100 Millionen Euro**. Das wäre vor zehn Jahren undenkbar gewesen.
Die Einschränkung: Es hängt stark von der Go-to-Market-Motion ab. Bei einem sehr sales-getriebenen Modell mit vielen persönlichen Meetings braucht man trotz Virtual-Avataren und AI-Tools noch Menschen. Aber drumherum – Outreach, Follow-ups, Lead Research – lässt sich massiv automatisieren.
Die größte Effizienz liegt im Produktteam durch Tools wie Cursor. Kombiniert mit automatisiertem Marketing (SEO) und Customer Success (AI-Pipeline) ergibt sich eine bisher ungekannte Produktivität pro Mitarbeiter.
### Meeting-Assistenten als Kontextmaschinen
Ein faszinierender Exkurs in die Zukunft: Felix und Benedikt diskutieren Meeting-Assistenten als "Kontextmaschinen" – das Benzin für KI-Agenten.
Die Herausforderung: Umso relevanter, akkurater und aktueller der Kontext ist, den man KI-Agenten bereitstellt, desto besser werden die Ergebnisse. Statische Dokumentation aufzubauen ist das eine. Aber jeden Tag passiert Neues – vor allem in Meetings.
Meeting-Assistenten erfassen genau diesen dynamischen, hochrelevanten Kontext. Die große Frage: Wie strukturiert man ihn so, dass KI-Agenten optimal darauf zugreifen können?
Jamie arbeitet an **Briefings**: Vor dem nächsten Meeting bekommt man Kontext aus allen vergangenen Konversationen mit dieser Person oder zu diesem Thema, angereichert mit Kalender, E-Mail und öffentlichen Informationen.
Die Vision geht weiter: Integration mit verschiedenen Systemen (CRM, Notion, etc.), optimierte Aufbereitung für Agenten, kontextbasierte Automatisierung direkt aus Meetings heraus.
### Best Practices: Meeting-Assistenten richtig nutzen
Benedikt teilt drei essenzielle Prinzipien für maximalen Nutzen:
1. **In allen Meetings nutzen**: Man weiß während des Meetings noch nicht, welche Information man später brauchen wird. Nur wer konsequent alle Meetings zusammenfassen lässt, kann später darauf zugreifen – über Chat-Funktionalitäten, die den Kontext aus allen Meetings durchsuchen.
2. **Vorlagen für verschiedene Meeting-Typen**: Ein Recruiting-Interview braucht ein anderes Output-Format als ein Sales-Call. Standardisierte Vorlagen stellen sicher, dass immer die relevanten Informationen (Gehaltsvorstellung, Startdatum, Vollzeit/Teilzeit etc.) erfasst werden. Laut Benedikt nutzen 30-40% der Jamie-Nutzer diese Funktion.
3. **Integration in bestehende Workflows**: Im Optimalfall werden im Sales direkt CRM-Felder gefüllt und Zusammenfassungen dort abgelegt. Wichtig: Der Workflow wird nicht disrupted, sondern ergänzt – nahtlos und ohne zusätzlichen Aufwand.
### Fokus statt Features: Die strategische Orientierung
In einem hochdynamischen Markt mit ständigen technologischen Neuerungen ist Fokus entscheidend. Benedikts Learnings:
**Noise herausfiltern**: Neuer bedeutet nicht gleich besser. Wenn ein neues KI-Modell erscheint, prüft Jamie hart: Bringt es wirklich eine Verbesserung für den Nutzer? Erst dann wird migriert – nicht blind auf das Neueste setzen.
**Auf sich selbst fokussieren**: Als Co-Pilot ankündigte, auch Meeting-Zusammenfassungen anzubieten, war das anfangs herausfordernd. Benedikts Learning: Sich auf eigene Qualitäten konzentrieren, sehr nah am Kunden bauen. Resultat: Das beste Jahr bisher – trotz objektiv meister Competition.
**Problem-getrieben bleiben**: Nicht von der Technologie ausgehen ("Was kann ich mit diesem Modell bauen?"), sondern vom Problem ("Welchen Busy Work rund um Meetings können wir eliminieren?").
### Vision: 100 Mio. ARR in drei Jahren
Benedikts ambitioniertes Ziel: Mit Jamie auf über **100 Millionen ARR in drei Jahren** skalieren – aus Europa heraus.
Das Produktziel: Jegliche Form von Busy Work rund um Meetings eliminieren. Nicht nur Zusammenfassungen, sondern:
- Context Enrichment während Meetings
- Direkte Automatisierung von Aufgaben aus Meetings heraus
- Briefings vor Meetings
- Nahtlose Integration in alle Systeme
Die Strategie bleibt: Sehr starker Fokus auf den Meeting-Use-Case, vom Problem ausgehend arbeiten, überlegene Produktqualität liefern.
Vergleichbare Erfolgsbeispiele: Superhuman für die Inbox, Dropbox für File-Sharing – beide haben trotz Google und Microsoft ihre Nische durch Fokus und Qualität erobert.
## Kernaussagen
**"Wir sind vom Problem ausgegangen, nicht von der Technologie. Anders als viele Startups nach ChatGPT haben wir erst das echte Problem gesucht und dann die Lösung gebaut."**
- Die fundamentale Differenzierung zu vielen AI-Startups des Hypes
**"Mit unter 20 Personen auf 10 Millionen Umsatz, mit 50 auf 100 Millionen. Das wäre vor zehn Jahren undenkbar gewesen, aber mit KI ist es heute realistisch."**
- Die radikale Effizienz-These moderner AI-First-Unternehmen
**"Wenn jemand bei uns vor einem Problem steht, wird nicht direkt der Kollege gefragt, sondern erstmal mit ChatGPT geschaut. Diese Selbstständigkeit durch KI ist enorm wichtig."**
- Wie KI die Arbeitskultur verändert
**"Produktqualität schlägt Distribution. Kunden mit Co-Pilot-Lizenz kaufen trotzdem bei uns, weil unser Fokus nur auf Meeting-Zusammenfassungen liegt und die Qualität einfach besser ist."**
- Warum kleine Teams gegen Tech-Giganten gewinnen können
**"Neuer bedeutet nicht gleich besser. Bei jedem neuen KI-Modell prüfen wir hart, ob es wirklich eine Verbesserung für den Nutzer bringt, statt blind auf das Neueste zu setzen."**
- Die Wichtigkeit, Noise zu filtern in einem hypeschnellen Markt
**"Wir fokussieren uns sehr stark auf den Meeting-Use-Case und arbeiten vom Problem heraus. So können wir uns gegen größere Player wie Microsoft und Google absetzen."**
- Die strategische Positionierung für die nächsten Jahre
**"Meeting-Assistenten sind eigentlich Kontextmaschinen – das Benzin für KI-Agenten, damit die richtig gut arbeiten können."**
- Die zukunftsweisende Perspektive auf die Rolle von Meeting-Tools
## Fazit und Takeaways
**Für Gründer und Produktverantwortliche:**
- Starte vom Problem, nicht von der Technologie – auch im KI-Zeitalter
- Produktqualität und Fokus können Distribution schlagen, selbst gegen Tech-Giganten
- Teste schnell: Landingpage + Warteliste kann in 24h validieren, ob echte Nachfrage besteht
- Noise filtern ist wichtiger denn je – nicht jede neue Technologie ist eine relevante Verbesserung
**Für den KI-Einsatz im Unternehmen:**
- Denke "Automatisierung zuerst" bei jedem neuen Problem
- Etabliere eine Kultur, in der Mitarbeiter erst KI-Tools nutzen, bevor sie Kollegen fragen
- Human in the Loop ist aktuell noch wichtig, aber oft eher psychologisch als technisch notwendig
- Die Tools sind da: Cursor, ChatGPT, eigene AI-Pipelines – Produktivitätsgewinne sind massiv
**Für die Nutzung von Meeting-Assistenten:**
- Nutze sie in allen Meetings – du weißt vorher nicht, welchen Kontext du später brauchst
- Setze Vorlagen für verschiedene Meeting-Typen auf (Recruiting, Sales, etc.)
- Integriere sie in bestehende Workflows (CRM, Notion, etc.)
- Denke an Meeting-Assistenten als Kontextmaschinen für zukünftige KI-Agenten
**Die große Vision:**
Meeting-Assistenten werden zu zentralen Kontext-Hubs, die alle Informationen aus Gesprächen strukturiert erfassen und für KI-Agenten zugänglich machen – die Grundlage für wirklich intelligente, kontextbewusste Automatisierung.
# Show Notes: 10 Mio. € mit 20 Leuten – Wie Jamie gegen Microsoft gewinnt
## Intro
In dieser Episode spricht Felix mit Benedikt Böhringer, Gründer und CEO von Jamie, einem Privacy-First-Meeting-Assistenten. Benedikt gibt tiefe Einblicke, wie sein Team mit unter 20 Personen auf 10 Millionen Euro ARR skaliert, gegen Tech-Giganten wie Microsoft und Google konkurriert und dabei eine radikal schlanke, KI-first Organisation aufbaut. Die Kernbotschaft: Mit dem richtigen Fokus, überlegener Produktqualität und konsequentem KI-Einsatz können kleine Teams heute Großes erreichen – 700% Wachstum inklusive.
## Inhaltsübersicht
- Die Entstehungsgeschichte von Jamie: Vom Problem zur Lösung (vor ChatGPT!)
- Produktstrategie gegen die Großen: Warum Qualität Distribution schlägt
- KI-First DNA: Wie Jamie intern KI nutzt (Cursor, Clay, eigene AI-Pipelines)
- Team-Effizienz neu gedacht: 10 Mio. € mit unter 20, 100 Mio. € mit 50 Leuten
- Human in the Loop: Wann braucht es wirklich noch Menschen?
- Meeting-Assistenten als Kontextmaschinen für KI-Agenten
- Best Practices: So nutzt man Meeting-Assistenten maximal effektiv
- Vision: 100 Mio. ARR in 3 Jahren aus Europa
## Über den Gast
**Benedikt Böhringer** ist Gründer und CEO von Jamie, einem DSGVO-konformen Meeting-Assistenten, der automatisiert Meeting-Zusammenfassungen erstellt und plattformunabhängig funktioniert – auch ohne Bot in Online-Meetings. Jamie startete zwei Monate vor dem ChatGPT-Launch, hat heute mehrere tausend zahlende Kunden und wuchs im letzten Jahr um knapp 700% – komplett organisch über SEO. Benedikt hat zuvor bereits eine andere Software-Firma mitgegründet und bringt umfassende Erfahrung im Aufbau von Produkten und Organisationen mit. Persönlich nutzt er intensiv ChatGPT für Dokumentenerstellung, Datenanalyse und Research – und natürlich Jamie für alle seine Meetings.
## Detaillierte Zusammenfassung
### Von der Idee zur Lösung: Problem-first statt Technology-first
Benedikt und sein Co-Founder Louis Kaufhörer starteten Jamie aus einem konkreten Problem heraus: Informationen aus Meetings wurden nicht sauber dokumentiert. Ursprünglich wollten sie eine Plattform für Wissensmanagement bauen, stellten aber fest, dass das eigentliche Problem nicht der Speicherort war, sondern dass Meeting-Notizen gar nicht erst ordentlich erstellt wurden.
Die Validierung erfolgte blitzschnell: Innerhalb einer Woche bauten sie eine Website mit Warteliste und Preisindikation, launchten auf LinkedIn – und hatten innerhalb von 24 Stunden mehrere hundert Anmeldungen. Der klare Signal-Moment, dass hier ein echtes Bedürfnis existiert.
**Der Unterschied zu vielen Post-ChatGPT-Startups:** Jamie ging vom Problem aus, nicht von der Technologie. Sie nutzten bereits verfügbare KI-Modelle über APIs, bevor der generative KI-Hype begann.
### Produktstrategie: Fokus schlägt Distribution
Jamie konkurriert gegen Microsoft Copilot, Google Meet, Zoom – allesamt mit eigenen Meeting-Zusammenfassungs-Features und riesiger Nutzerbasis. Benedikts Strategie:
**1. Überlegene Produktqualität durch Fokus**
- Jamie macht nur Meeting-Zusammenfassungen – das ist ihr einziger Fokus
- Für die Tech-Giganten ist es ein Feature unter vielen, kein Kern-Fokus
- Kunden mit Copilot-Lizenz kaufen trotzdem Jamie, weil die Qualität besser ist
**2. Plattformunabhängigkeit als Killer-Feature**
- Meetings finden nicht nur in einer Plattform statt (Zoom, Teams, Google Meet, in Person)
- Jamie funktioniert überall – auch ohne Bot, auch offline
- Alle Meeting-Zusammenfassungen an einem zentralen Ort
**3. Privacy-First als Differentiator**
- DSGVO-Konformität ist kein Nice-to-have, sondern Kernversprechen
- Besonders wichtig für europäische Enterprise-Kunden
Das Resultat: 700% Wachstum im letzten Jahr, komplett organisch über SEO, indem sie sich früh bei relevanten Keywords platzierten und vom steigenden Search-Volume profitieren konnten.
### KI-First DNA: Wie Jamie intern arbeitet
Benedikt beschreibt eine fundamental andere Art, ein Unternehmen aufzubauen:
**Automatisierung als Default-Denkweise**
- Bei jedem Problem wird zuerst gefragt: Lässt sich das automatisieren statt über Human Capital lösen?
- Oftmals ist die Antwort noch "nein", aber der Denkansatz ist anders
**Konkrete Tools im Einsatz:**
- **Cursor** für Produktentwicklung: Extreme Geschwindigkeitssteigerung im Engineering-Team (auch wenn nicht exakt gemessen)
- **Eigene AI-Pipeline für Customer Success**: Angebunden an Dokumentation und Wissensdatenbank, generiert Antworten vor, die Mitarbeiter dann prüfen und versenden
- **Clay** für Sales-Prozessautomatisierung und Lead-Research
- **ChatGPT** teamweit: Für Dokumentenerstellung, Formulierungshilfen, Datenanalyse, Research
- **AI-Features in bestehenden Tools**: Z.B. Figma AI für Bildbearbeitung (virtuelle Zoom-Backgrounds)
- **Jamie selbst** – natürlich für alle internen und externen Meetings
**Kultureller Shift:** Wenn jemand im Team vor einem Problem steht, wird nicht direkt ein Kollege gefragt, sondern erstmal ChatGPT konsultiert. Diese Selbstständigkeit durch KI ist laut Benedikt "enorm wichtig".
### Radikale Effizienz: Wie viele Menschen braucht ein 100-Mio.-Unternehmen?
Benedikts Prognosen sind bemerkenswert:
- **10 Mio. € ARR: unter 20 Personen** (aktueller Stand: niedrig- bis mittelstelliger siebenstelliger ARR)
- **100 Mio. € ARR: ca. 50 Personen**
"Das wäre vor zehn Jahren undenkbar gewesen", betont Benedikt. Die Effizienzgewinne kommen vor allem aus:
- Extrem produktivem Engineering (Cursor, KI-Tools)
- Automatisiertem Customer Success (AI-Pipeline)
- Effizientem, organischem Marketing (SEO, Content)
- Automatisierten Sales-Prozessen (Clay für Outreach, Lead Research)
**Wichtiger Caveat:** Die Go-to-Market-Motion macht den Unterschied. Enterprise Sales mit persönlichen Meetings benötigt weiterhin Menschen. Virtual Sales Avatare sind noch nicht ausgereift genug.
### Human in the Loop: Der psychologische Faktor
Ein faszinierendes Thema, das Felix und Benedikt ausführlich diskutieren: Wo braucht es wirklich noch Menschen?
**Benedikts aktueller Ansatz bei Customer Success:**
- AI generiert Antworten basierend auf Dokumentation
- Mensch liest final drüber und approved
- Grund: Qualitätssicherung für Kundeninteraktion ist wichtig
**Die Debatte:**
Felix argumentiert, dass agentische KI bereits weiter ist, als viele denken. Die meisten Probleme liegen nicht an der Technologie, sondern an:
- Alten, ungepflegten Systemen
- Unklaren Prozessen
- Fehlender Datenqualität
Bei klaren Prozessen (z.B. Support mit klaren Ticket-Klassifikationen, Dokumentation, Routing) könnte der Automatisierungsgrad deutlich höher sein. Mehrere Agenten könnten sich gegenseitig kontrollieren.
**Benedikts Eingeständnis:** "Das ist bestimmt auch einfach ein psychologisches Thema mit Kontrolle." Er verweist auf medizinische Diagnosen, wo KI statistisch besser abschneidet als Menschen, aber trotzdem nicht allein entscheidet.
**Die Prognose:** Auch Benedikt glaubt, dass vollständige Automatisierung in vielen Bereichen kommen wird – aber der psychologische Bias zu Kontrolle und menschlichem Judgment ist noch stark verbreitet.
### Meeting-Assistenten als Kontextmaschinen
Ein Kernthema der Episode: Meeting-Assistenten sind nicht nur Notiz-Tools, sondern **Kontextmaschinen für KI-Agenten**.
**Das Problem:**
- KI-Agenten brauchen akkuraten, relevanten, aktuellen Kontext
- Statische Dokumentation (Notion, Confluence) wird schnell veraltet
- Viel relevanter Kontext entsteht täglich in Meetings
**Die Lösung:**
Meeting-Assistenten produzieren kontinuierlich strukturierten, aktuellen Kontext über:
- Kundengespräche und deren Entwicklung
- Projektfortschritte
- Entscheidungen und Hintergründe
- Strategische Diskussionen
**Die Herausforderung:**
Wie macht man diesen Kontext für Agenten optimal nutzbar? Felix beschreibt seinen Workaround:
- Transkript → Agent → Mini-Zusammenfassung → Notion-Seiten
- Diese werden zur Wissensdatenbank, auf die Agenten zugreifen
**Jamies Roadmap:**
Benedikt arbeitet an **Briefings**: Vor jedem Meeting bekommt man Kontext basierend auf:
- Vergangene Gespräche mit dieser Person
- Vergangene Meetings zu diesem Thema
- Kalender-Infos, E-Mails, öffentliche Informationen
Die finale Integration verschiedener Datenquellen bleibt komplex – aber das Wertschöpfungspotenzial ist enorm.
### Best Practices: Meeting-Assistenten richtig nutzen
Benedikts Empfehlungen für maximalen Nutzen:
**1. In ALLEN Meetings nutzen**
- Man weiß während des Meetings noch nicht, welche Information später fehlen wird
- Kontext über alle Gespräche hinweg sammeln
- Ermöglicht späteres Nachschlagen und Abfragen über Meeting-Historie
**2. Vorlagen für verschiedene Meeting-Typen**
- Recruiting-Interviews: Standardisierte Zusammenfassung mit Gehaltsvorstellung, Startdatum, Vollzeit/Teilzeit etc.
- Verkaufsgespräche: CRM-relevante Felder automatisch befüllt
- Projekt-Updates: Konsistentes Format für Fortschrittsdokumentation
**3. Integration in bestehende Workflows**
- CRM-Integration: Zusammenfassungen und Daten direkt in Salesforce, HubSpot etc.
- Nicht den Workflow disrupten, sondern ergänzen
- 30-40% der Jamie-Nutzer verwenden Integrationen aktiv
**4. Chat-Funktionalität nutzen**
- Über Meeting-Historie hinweg Fragen stellen
- Entwicklung von Projekten/Themen über Zeit nachvollziehen
- Spezifische Daten abrufen ohne manuelles Durchsuchen
### Vision und Zukunft: 100 Mio. ARR aus Europa
Benedikts ambitionierte Vision für die nächsten drei Jahre:
- **Über 100 Millionen ARR** mit Jamie
- **Aus Europa heraus** aufgebaut
- **Elimination von Busy Work** rund um Meetings
**Die Produktvision geht über Zusammenfassungen hinaus:**
- Context Enrichment während Meetings
- Automatisierung von Aufgaben direkt aus Meetings heraus
- Intelligente Briefings vor Meetings
- Proaktive Unterstützung statt reaktive Dokumentation
**Die Wettbewerbsstrategie:**
Radikaler Fokus auf den Meeting-Use-Case, vom Problem her denken, nicht von der Technologie. Während Microsoft und Google Features bundeln, bleibt Jamie spezialisiert und überlegen in diesem einen Bereich.
**Vergleichbare Erfolgsbeispiele:**
- **Superhuman** für Inbox (später an Grammarly verkauft)
- **Dropbox** für File-Sharing (trotz Google Drive, OneDrive etc. erfolgreich)
Die Gemeinsamkeit: Fokussierung auf spezifischen Use Case mit überlegener Qualität schlägt breite Distribution der Tech-Giganten.
### KI-Markt: Noch lange nicht am Peak
Auf die Frage, ob wir die Spitze der KI-Entwicklung erreicht haben, ist Benedikt klar: "Persönlich die Spitze haben wir noch lange nicht erreicht. Es wird noch in dem Tempo der Entwicklungsgeschwindigkeit weitergehen."
**Wichtig:** Jamie ist nicht abhängig von weiteren Modell-Verbesserungen für ihre aktuelle Vision. Bessere Models würden helfen, aber die Roadmap ist auch mit heutigen Möglichkeiten umsetzbar.
**Spannende Entwicklung:** Benedikt erwähnt **Merge Labs** (gegründet von Sam Altman und Alex Blanier), die ähnlich wie Neuralink an der Verknüpfung von biologischer und künstlicher Intelligenz arbeiten.
## Kernaussagen
**1. Problem-first vs. Technology-first**
> "Wir sind vom Problem ausgegangen, nicht von der Technologie. Anders als viele Startups nach ChatGPT haben wir erst das echte Problem gesucht und dann die Lösung gebaut."
**2. Radikale Effizienz durch KI**
> "Mit unter 20 Personen auf 10 Millionen Umsatz, mit 50 auf 100 Millionen. Das wäre vor zehn Jahren undenkbar gewesen, aber mit KI ist es heute realistisch."
**3. Fokus schlägt Distribution**
> "Produktqualität schlägt Distribution. Kunden mit Copilot-Lizenz kaufen trotzdem bei uns, weil unser Fokus nur auf Meeting-Zusammenfassungen liegt und die Qualität einfach besser ist."
**4. KI-First Kultur**
> "Wenn jemand bei uns vor einem Problem steht, wird nicht direkt der Kollege gefragt, sondern erstmal mit ChatGPT geschaut. Diese Selbstständigkeit durch KI ist enorm wichtig."
**5. Meeting-Assistenten als Enabler**
> "Meeting-Assistenten sind Kontextmaschinen. Sie sind das Benzin für KI-Agenten, damit die richtig gut arbeiten können."
**6. Qualität vor neuer Technologie**
> "Neuer bedeutet nicht gleich immer besser. Wir prüfen hart, ob ein neueres Modell eine wirkliche Verbesserung für den Nutzer bringt, bevor wir umziehen."
**7. Fokus als Wettbewerbsvorteil**
> "Wenn wir uns sehr stark auf den Meeting-Use-Case fokussieren und von dem Problem heraus arbeiten, können wir uns sehr gut gegen die größeren Player wie Microsoft und Google absetzen."
## Fazit und Takeaways
**Für Gründer und Produktverantwortliche:**
- Starte vom Problem, nicht von der Technologie – auch im KI-Zeitalter
- Fokus auf einen spezifischen Use Case kann Distribution der Großen schlagen
- Produktqualität ist der nachhaltigste Wettbewerbsvorteil
- Denke radikal in Automatisierung als Default, nicht als Ausnahme
- Baue eine Kultur, in der KI-Nutzung selbstverständlich ist
**Für KI-Verantwortliche in Unternehmen:**
- Human in the Loop ist oft psychologisch begründet, nicht technologisch notwendig
- Agentische KI ist bereits weiter, als viele denken – das Problem sind oft Legacy-Systeme und unklare Prozesse
- Meeting-Assistenten sind unterschätzte Kontextmaschinen für KI-Agenten
- Der Automatisierungsgrad kann deutlich höher sein bei klaren Prozessen und guter Dokumentation
**Für Meeting-Assistenten-Nutzer:**
- Nutze den Assistenten in ALLEN Meetings, um vollständigen Kontext aufzubauen
- Arbeite mit Vorlagen für verschiedene Meeting-Typen
- Integriere in bestehende Workflows (CRM, Projektmanagement)
- Nutze die Chat-Funktion, um über Meeting-Historie hinweg Fragen zu stellen
**Die große Vision:**
Jamie zeigt, wie KI-native Unternehmen mit radikaler Effizienz, klarem Fokus und überlegener Produktqualität auch gegen Tech-Giganten erfolgreich sein können. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob 100 Mio. ARR mit 50 Personen wirklich möglich ist – aber die Richtung ist klar: Kleine, hocheffiziente Teams können mit KI deutlich mehr erreichen als jemals zuvor.