„Uns darf nicht interessieren, welche KI gerade gehypt ist – wir müssen dort ansetzen, wo wir Zeit, Qualität oder Wissen verlieren.“
Alexander Cohrs
CIO/CDO
Ostfriesische Tee Gesellschaft GmbH & Co. KG
Alexander Cohrs

#80Heute entscheiden, morgen testen: KI-Transformation bei der Ostfriesischen Tee Gesellschaft

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Intro

In dieser Episode ist Alexander Cohrs zu Gast — CIO/CDO der Ostfriesischen Tee Gesellschaft (OTG) und der Laurens Spethmann Holding. Alexander hat viele Jahre Konzern-Erfahrung (u.a. Kühne+Nagel) und ist anschließend bewusst in den Mittelstand gewechselt. Im Gespräch geht es darum, wie KI pragmatisch eingeführt wird: mit klaren Leitplanken, klarer Priorisierung und Quick Wins, die Vertrauen schaffen.


Inhaltsübersicht

  • Warum OTG nicht bei Tools startet, sondern bei konkreten Schmerzpunkten in Prozessen
  • Priorisierung im Mittelstand: Mehrwert × Machbarkeit statt „alles gleichzeitig“
  • Governance als Enablement: Richtlinie, Datenklassifizierung, Compliance-Leitplanken
  • Umsetzung in der Organisation: KI-Managerin, KI-Botschafter, „Friends of IT“
  • Plattform- und Lernkurve: Everyday-KI (Chat) → Testen → Langdock als pragmatische Lösung
  • Was andere Mittelständler daraus ableiten können: Prinzipien, Quick Wins, Skalierung

Über den Gast

Alexander Cohrs ist CIO/CDO der Ostfriesischen Tee Gesellschaft (OTG) und der Laurens Spethmann Holding. Zuvor war Alexander u.a. bei Otto sowie Kühne+Nagel in Rollen rund um Digitalisierung und Transformation tätig. Im Podcast teilt Alexander praktische Erfahrungen aus beiden Welten (Konzern & Mittelstand) — und zeigt, wie KI-Einführung auch ohne „Riesenbudgets“ funktioniert: über klare Leitplanken, Priorisierung und Enablement.


Detaillierte Zusammenfassung

Nicht bei Tools starten, sondern bei Reibung im Alltag

Alexander beschreibt als Ausgangspunkt eine simple Frage: Wo verlieren wir heute Zeit, Qualität oder Wissen? Statt „Welche KI ist gerade gehypt?“ wird der Blick auf konkrete Friktion in Prozessen gelenkt. Das verändert die Qualität der Use Cases — und sorgt dafür, dass KI-Projekte nicht als Spielerei enden, sondern echten Mehrwert liefern.

Fokus durch Priorisierung: Mehrwert und Machbarkeit

Im Mittelstand sind Ressourcen begrenzt — und genau das erzwingt Fokus. OTG priorisiert Use Cases entlang von Mehrwert und Machbarkeit. Ein Case mit großem Potenzial, der aber erst drei Jahre Datenprojekte braucht, ist nicht der richtige Startpunkt. Stattdessen werden Quick Wins bewusst bevorzugt, um Vertrauen aufzubauen und die Organisation Schritt für Schritt „KI-ready“ zu machen.

Governance als Voraussetzung für Geschwindigkeit

Ein zentrales Learning: KI wirkt nicht von allein. OTG hat früh eine KI-Richtlinie, Datenklassifizierung und schlanke Compliance-Leitplanken geschaffen, damit Mitarbeitende produktiv arbeiten können — ohne Wild West, ohne sensible Daten zu riskieren. Governance wird hier nicht als Bremse verstanden, sondern als Enablement: Sie schafft Klarheit und Sicherheit, damit Nutzung überhaupt skaliert.

Enablement & Change: KI-Managerin und Botschafter-Modell

OTG hat eine eigene KI-Managerin eingestellt, die Plattformen bewertet, Enablement koordiniert und eine Community von KI-Botschaftern je Fachbereich führt. Ergänzt wird das durch eine Testgruppe („Friends of IT“) — intrinsisch motivierte, KI-affine Personen aus dem Business. Damit entstehen Use Cases dort, wo sie hingehören: in den Fachbereichen — und gleichzeitig bleibt die Umsetzung kontrolliert und skalierbar.

Plattform-Learning: Everyday-KI zuerst, dann gezielt spezialisieren

Die Einführung startet mit einer „Everyday-KI“ (Chat), die schnell Produktivität bringt. Danach werden Lösungen schnell und schlank getestet (z.B. M365 Copilot POC) und anschließend pragmatisch entschieden, was zur Organisation passt. Im Gespräch nennt Alexander u.a. Langdock als Plattform, die (aus OTG-Sicht) besser zum Mittelstand passt: DSGVO-konform, EU-Hosting, flexibel, mit mehreren Modellen und Workflow-/Agent-Möglichkeiten.

Takeaway: Geschwindigkeit braucht Struktur

Die Episode zeigt: Der Mittelstand kann bei KI sehr schnell sein — wenn Grundlagen stimmen und gleichzeitig konsequent getestet wird. Die Kombination aus Priorisierung, Leitplanken und Enablement ist nicht Bürokratie, sondern der Hebel für Tempo.


Kernaussagen

  • KI-Projekte funktionieren am besten, wenn sie von echten Prozess-Schmerzpunkten ausgehen — nicht von Tool-Hype.
  • Mehrwert × Machbarkeit ist die entscheidende Priorisierungslogik (Quick Wins zuerst).
  • Governance (Richtlinie, Datenklassifizierung, Compliance) ist Enablement und schützt vor Wild West.
  • Adoption skaliert über Rollen: KI-Managerin + KI-Botschafter + kleine Testgruppen aus dem Business.
  • Everyday-KI zuerst, dann spezialisieren: schnell testen, pragmatisch entscheiden, iterativ skalieren.

Fazit und Takeaways

Wenn du KI in einem Mittelstands-Setup einführen willst, liefert diese Episode ein klares Prinzipien-Set: Fokus statt Feature-Fomo, Quick Wins statt Großprojekt, Leitplanken statt Wild West — und ein Enablement-Setup, das die Nutzung ins Business bringt. Der wichtigste Perspektivwechsel: Nicht die Frage „Welche KI?“, sondern „Wo tut es weh — und wie machen wir es besser?“.


Zum Gast: Alexander Cohrs

Felix Riedl

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