Wie Du ein Kontextprofil für KI-Agenten erstellst
Warum ein strukturiertes Kontextprofil mehr bringt als jeder Prompt und wie du es in einer Stunde aufbaust, in deinen KI-Tools hinterlegst und damit arbeitest
Herzlich Willkommen zu den AI FIRST Insights! “Context Engineering” wurde spätestens 2026 zum neuen Prompt Engineering. Statt einer KI die perfekte Anweisung zu geben, stellst du den notwendigen Kontext bereit in dem die Aufgabe erledigt werden muss und lässt das KI-Modell den besten Weg finden.
Ich halte diesen Weg für richtig, da die Modelle heute so leistungsfähig sind, dass viele Prompts eher blockieren als nützlich zu sein. Aber es erfordert dann auch, dass Kontext strukturiert erfasst, bereitgestellt und aktuell gehalten wird.
Hier sehe ich eine riesige Hürde bei vielen Anwendern und Unternehmen.
Heute teile ich mit dir den Grundstein deines KI-Kontexts: das Kontextprofil.
- Warum KI dich kennen muss, bevor sie gut für dich arbeiten kann
- Wie du in rund 60 Minuten ein strukturiertes Kontextprofil aufbaust
- Wo du es in ChatGPT, Claude, Gemini, Copilot und Langdock hinterlegst
- Was du damit alles machen kannst
Los geht's!
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Warum KI dich kennen muss, aber du nicht mit der perfekten Wissensdatenbank startest
KI-Ergebnisse spiegeln den Kontext, den die KI hat. Wenn sie dein Geschäft, deine Rolle und deine Ziele kennt, arbeitet sie wie ein eingearbeiteter Kollege. Wenn sie nichts davon kennt, liefert sie Durchschnitt – den gleichen Durchschnitt wie für Millionen andere Nutzer.
Das Kernproblem: Das relevanteste Wissen über deine Arbeit steht nirgends. Wie du Entscheidungen triffst, was diese Woche Priorität hat, wie du mit Kunden sprichst und wie mit Kollegen – das alles steckt in deinem Kopf. Die KI kann es nicht erraten.
Du musst das Implizite explizit machen.
An dieser Stelle beobachte ich in vielen Unternehmen den gleichen Reflex: „Dann brauchen wir erstmal eine Wissensdatenbank.”
Danach wird nach Tools geschaut:
- Sharepoint
- Confluence
- Obsidian
- Notion
- Outline
- Bookstack
- …
Wir können wir da alle Systeme anbinden, unser ganzes Wissen aus 37 unterschiedlichen Systemen zusammenziehen, von KI alles aufräumen lassen und danach automatisch synchronisieren, damit KI alles weiß?
Ich habe mehrere dieser Projekte gesehen. Nach drei Monaten gibt es ein Architekturdiagramm, ein Berechtigungskonzept – und keine einzige Aufgabe, die KI besser erledigt als vorher, weil der Kontext noch immer in den 37 Systemen verstreut und veraltet rumliegt.
Eine strukturierte, fortlaufende aktualisierte Wissensbasis im Unternehmen wird zentral sein, wenn KI einen relevanten Anteil der Arbeit unterstützen oder übernehmen soll. Ich empfehle dir jedoch, nicht darauf zu warten bis das steht.
Fang lieber damit an, in 60 Minuten dein eigenes Kontextprofil aufzubauen.
Wie du dein Kontextprofil aufbaust
Ein Kontextprofil ist eine Markdown-Datei mit fünf Dokumenten/Abschnitten. Zusammen bilden sie die Grundlage deiner persönlichen Wissensbasis, die du in jedem KI-Tool hinterlegen kannst.
Das steckt drin:
1) Firmenprofil
Beschreibt, was dein Unternehmen tut und für wen. Ohne dieses Wissen ordnet die KI deine Aufgaben im falschen Markt ein und trifft Annahmen, die für dein Geschäft nicht gelten. Drin stehen: Branche und Kerngeschäft, Größe, deine Produkte mit je einem Satz, Zielgruppen, Kultur und strategische Besonderheiten.
→ Das Firmenprofil sollte natürlich zentral erstellt und verwaltet werden.
2) Rollenprofil
Das umfangreichste der fünf Dokumente: was du tust und womit du arbeitest. Hier versteht die KI, woraus dein Arbeitsalltag tatsächlich besteht. Es enthält deine Kernverantwortlichkeiten und Mission, deine Tools mit Einsatzzweck, eine Aufgabenlandkarte deiner wiederkehrenden Aufgaben inklusive Zeitaufwand – und deine größten Zeitfresser und Pain Points.
→ Wenn deine KI deinen Kalender und deine Mails analysieren kann, wirst du dadurch schon eine gute Grundlage für das Rollenprofil erhalten.
3) Team-Kontext
Beschreibt, mit wem du arbeitest. Damit kann die KI einschätzen, wen ein Entwurf betrifft, wen du bei welchen Entscheidungen einbeziehst und über welchen Kanal was läuft. Drin stehen: Teamstruktur, Schlüsselpersonen mit dem Hinweis, wann du sie einbeziehst, externe Stakeholder und eure Kommunikationskanäle mit Konventionen.
4) Prioritäten & Ziele
Woran du gerade arbeitest – das lebendigste der fünf Dokumente. Damit kann die KI beurteilen, was heute Vorrang hat und welche Deadline drängt. Es enthält deine #1 Priorität, 3–5 Fokusthemen, zeitkritische Deadlines, Quartalsziele und aktive Projekte. Ich aktualisiere dieses Dokument einmal im Monat.
5) Arbeits- & Kommunikationsstil
Wie du arbeitest und wie du klingst. Damit klingen KI-Texte nach dir und die KI geht Aufgaben so an, wie du es tun würdest. Drin stehen: deine Arbeitsweise (strukturiert vs. iterativ, Detailtiefe, wann du Rückfragen willst, wie du Entscheidungen triffst), Format-Präferenzen, dein Ton intern und extern, Do's und Don'ts für KI-Texte und deine Pet Peeves.
Wie stark das wirkt, sehe ich an meinem eigenen Profil: Mein Arbeits- & Kommunikationsstil-Dokument sagt jeder KI ganz genau, welche Formulierungen sie vermeiden soll und woran sie erkennt, ob ein Text nach mir klingt. Seitdem kann ich viele Entwürfe direkt verwenden, wo ich früher jede Zeile umgeschrieben habe.
Der schnellste Weg: der Kontext-Interviewer
Damit du nicht vor fünf leeren Vorlagen sitzt, haben wir den Kontext-Interviewer gebaut. Das ist ein KI-Agent, der dich in einem strukturierten Interview durch alle fünf Blöcke führt – du sprichst frei rein, lädst Screenshots oder Dokumente hoch, und der Agent strukturiert alles für dich. Für jeden Block prüft er klare Qualitätskriterien und erstellt das Dokument erst, wenn du die Zusammenfassung freigegeben hast. Nach rund 60 Minuten hast du alle fünf Dokumente fertig.
→ Hier findest du den Kontext-Interviewer inkl. System-Prompt zum Kopieren
Wo du dein Kontextprofil hinterlegst
Damit das Profil wirkt, muss die KI bei jeder Aufgabe darauf zugreifen können.
Grundsätzlich gilt: Hinterlege das Kontextprofil so, dass Änderungen in den Dokumenten automatisch mit deiner KI synchronisiert werden - nicht die statischen Dokumente hochladen, die nach zwei Wochen wieder veraltet sind.
Wo du das Kontextprofil speicherst:
- Option 1: Als Dokument in einem Cloud-Drive (One Drive, Google Drive).
- Option 2: Als Seite in einem Tool wie Sharepoint, Notion, Confluence oder ähnliches.
Wir haben unsere Kontextprofile in einer Notion-Datenbank als Seiten abgelegt. Der Agent weiß für wen er arbeitet und referenziert das entsprechende Kontextprofil vor jeder Aufgabe.
Wie du das Kontextprofil deiner KI bereitstellst:
- Option 1: Im KI-Agenten als Wissen (nur wenn synchronisiert wird) oder als Pfad zur Seite im Sharepoint/Notion/etc. → Wichtig: Im Systemprompt genau beschreiben, wo die Seite zu finden ist und dass sie vor jeder Ausführung geladen werden soll.

- Option 2: Im Projekt als Wissen (auch hier, nur wenn synchronisiert wird) oder als Pfad zur Seite im Sharepoint/Notion/etc.
- Option 3: Im Projektordner (zb .claude), wenn du mit Coding Agenten wie Claude Code arbeitest.
Bonus: Gibt deinem KI-Agenten auch die Aktion und Schreibrechte für dein Kontextprofil (zB “Edit Sharepoint Page”), sodass das Kontextprofil überarbeitet werden kann, wenn du zB an einem neuen Projekt arbeitest.
Was du damit alles machen kannst
Das Profil verbessert jede einzelne Aufgabe, weil dein KI-Agent jetzt immer den Kontext lädt, bevor er mit der Arbeit beginnt. Damit kannst du jetzt ein paar dieser Dinge deutlich besser machen:
- Use Cases finden: Frag KI doch mal basierend auf deinem Kontextprofil, Quick Win Use Cases zu finden. Du wirst erstaunt sein, wie gut die Ergebnisse sind. Und da die KI deinen Kontext kennt, kannst du sie auch direkt bitten dir die genannten Cases als Skills, Agents oder Workflows umzusetzen.
- Kommunikation und Dokumentation: Das ist offensichtlich, aber eine enorme Erleichterung. Du musst deutlich weniger nachbessern und bekommst Drafts für Dokumente in konsistenter Qualität.
- Strategie-Sparring: Ohne der KI von vorne den Status Quo und den Gesamtkontext eines Projektes zu erklären, kannst du direkt in das Schärfen einer Problemstellung oder die Bewertung von Lösungsansätzen einsteigen.
Bei AI FIRST ist das inzwischen der Standard für alles, was wir mit Kunden machen: Wir erstellen mit jedem einzelnen Mitarbeiter ein Kontextprofil, bevor wir irgendeinen Use Case bauen. Die Profile sind die absolute Grundlage – Use Case Discovery, Agenten, Prozessverbesserungen, alles setzt darauf auf. Der Unterschied zwischen Teams mit und ohne Kontextprofile ist so deutlich, dass wir ohne gar nicht mehr starten.
Was solltest du jetzt tun?
Du musst dein Implizites Wissen explizit machen, also:
- Starte den Kontext-Interviewer und investiere 60 Minuten. Sprich frei rein und lade hoch, was du schon hast – Lebenslauf, Rollenbeschreibung, OKRs.
- Hinterlege die fünf Dokumente in deinem KI-Tool – als Projekt oder Agent, je nachdem, womit du arbeitest.
- Führe eine echte Aufgabe damit aus und vergleiche das Ergebnis mit einem Chat ohne Profil.
- Aktualisiere das Kontextprofil (mit KI) einmal im Monat. Ein veraltetes Profil führt zu veralteten Ergebnissen.
Was dir das bringt: Ergebnisse, die du direkt verwenden kannst. Eine KI, die Use Cases in deiner Arbeit findet und dort umsetzt. Und ein Fundament, auf dem jeder weitere Agent und Workflow aufsetzt.
Bis nächsten Sonntag,
Felix
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