KI ist für mich kein Tool, sondern ein Partner – einer, der mir hilft, meine Ziele zu erreichen und mutiger in jede neue Herausforderung zu gehen.
Felix Schlenther
Gründer
AI FIRST
Felix Schlenther

#56Wie wir AI FIRST mit KI aufgebaut haben

Intro

In dieser besonderen Solo-Episode nimmt Felix Schlenther die Hörer mit auf seine persönliche KI-Reise — von den ersten Experimenten mit ChatGPT Ende 2022 über den Aufbau eines KI-Assistenten-Teams bis zur Gründung von AI FIRST. Was als systematische KI-Integration während eines Unternehmens-Turnarounds begann, wurde zu einer fundamentalen Transformation: Heute arbeiten bei AI FIRST fünf Menschen mit 25 KI-Agenten zusammen. Felix erzählt authentisch, wie KI ihm nicht nur Zeit sparte, sondern den Mut gab, sich selbstständig zu machen — und warum der größte Wert aus KI nicht aus der Technologie selbst kommt, sondern aus dem Kontext, den wir ihr bereitstellen.


Inhaltsübersicht

  • Der Startpunkt Ende 2022: Wie Felix als CEO während eines Turnarounds das Potenzial von Large Language Models erkannte.
  • Systematische KI-Integration in Produkt, Prozesse und People — von Kundenfeedback-Auswertung bis zu KI-kommentierten Finanzberichten.
  • Die Erkenntnis, dass das wertvollste Gut von Unternehmen die Zeit der Menschen ist und KI diese Zeit freisetzen kann.
  • Das Suits-Team: Aufbau spezialisierter KI-Assistenten mit Personas wie Harvey, Donna und Mike.
  • Wie die tägliche Zusammenarbeit mit KI den Mut zur Gründung von AI FIRST gab.
  • Newsletter und Podcast-Start ohne Vorerfahrung — ermöglicht durch schnelle Iteration mit KI.
  • Das Experiment "zweites Gehirn": Monatelange Dokumentation per Sprachaufnahmen als Wissensbasis für KI-Agenten.
  • Die Qualitätsrevolution, als hunderte Seiten Kontext die Output-Qualität aller Agenten massiv steigerten.
  • Vom KI-Champion-Programm bei Kunden zur eigenen AI-First-Beratung mit fünf Menschen und 25 KI-Agenten.
  • Die Vision: Ein vollständig AI-First-Beratungsangebot, bei dem Kunden zwischen Menschen und "Silizium-basierten Intelligenzen" wählen können.

Detaillierte Zusammenfassung

Der Wendepunkt: KI-Integration im Turnaround

Ende 2022 übernahm Felix eine CEO-Position bei einem Unternehmen, das gerade aus einer Insolvenz herausgekauft worden war. Genau in diese Zeit fiel der Launch von ChatGPT und die plötzliche Zugänglichkeit von Large Language Models. Felix erkannte sofort: "Wenn wir eine Maschine haben, die in sehr kurzer Zeit Text auswerten und Text schreiben kann, dann wird diese Maschine wahrscheinlich sehr viel von dem Text, den wir heute verarbeiten und schreiben, für uns tun können."

Er analysierte systematisch die drei Dimensionen Produkt, Prozesse und People. Das Produkt — eine Plattform zur Auswertung von Kundenfeedback — war prädestiniert für den Einsatz von LLMs. Statt bisheriger Natural Language Processing-Algorithmen konnten nun deutlich tiefere Insights aus Millionen von Kundenfeedbacks gezogen werden. In den Prozessen ging das Team konsequent auf Quick Wins: Intercom als Customer-Support-Tool bot schon früh eine GPT-4-Schnittstelle, sodass die Top-10-Kundenanfragen schnell automatisiert werden konnten. Dazu kamen Vertriebsvor- und -nachbereitung, Marketing-Content-Repurposing und sogar KI-kommentierte Finanzberichte.

Menschen und ihre Zeit als wertvollstes Gut

Den größten Hebel sah Felix bei den Menschen selbst. Seine Beobachtung: Die wenigsten Mitarbeiter verbringen den Großteil ihrer Arbeitszeit mit dem, wofür sie eigentlich ihren Job angetreten sind — Ideen umsetzen, etwas bewegen, Neues schaffen.

"Das wertvollste Gut von Unternehmen sind immer noch die Menschen, die dort arbeiten. Und das wertvollste Gut der Menschen ist ihre Zeit."

Die ersten Maßnahmen waren pragmatisch: Meeting-Assistenten, die jedes Gespräch automatisch protokollierten und Follow-up-Aktionen ableiteten. Der größte Sprung kam in der zweiten Jahreshälfte 2023, als das Team eine KI-Plattform einführte, auf der spezialisierte Assistenten für verschiedene Aufgaben aufgesetzt werden konnten — ein Sales-Assistent, ein Solution-Engineering-Assistent und weitere. Benannt nach den Charakteren der Serie "Suits": Harvey für rechtliche Einschätzungen, Donna als Chief of Staff und Mike als Allwissender. Ein extra Bildschirm nur für diese KI-Assistenten veränderte die tägliche Arbeitsweise fundamental.

Der Sprung in die Selbstständigkeit

Die tägliche Zusammenarbeit mit KI wurde für Felix zum Katalysator für eine Lebensentscheidung. KI erweiterte seine Fähigkeiten in Bereichen, in denen er keine Expertise hatte: Businessplan-Modellierung, rechtliche Ersteinschätzungen, Website-Entwicklung — alles ohne externe Hilfe.

"Diese Zusammenarbeit mit KI, nicht als ein Tool, sondern eher als ein Kollege, fast schon mein Gründungspartner, das hat mir den Mut gegeben."

Nach der Gründung von AI FIRST 2024 startete Felix Newsletter und Podcast ohne Vorerfahrung in Content-Produktion. KI ermöglichte ein Tempo, das sonst unmöglich gewesen wäre: Drei Angebotsüberarbeitungen und drei bis vier komplette Website-Relaunches in kurzer Zeit. "Wir haben uns getraut, mit einer Idee einfach rauszugehen, sie zu testen, ob das jemanden anspricht, und im Notfall wieder zu verwerfen." Diese Iterationsgeschwindigkeit wurde zum Wettbewerbsvorteil.

Das Experiment: Ein zweites Gehirn für KI-Agenten

2025 machte Felix ein Experiment, das seinen Blick auf KI-Anwendung grundlegend veränderte. Er dokumentierte über Monate per Sprachaufnahmen alles, was ihn als Person und Berater ausmacht: Lebenslauf, Kontakte, Angebote, Persönlichkeitsprofil, Kommunikationsstil, Entscheidungslogiken. Das Ergebnis war eine hunderte Seiten umfassende Wissensbasis — sein "zweites Gehirn".

Dieses Kontextwissen revolutionierte die Qualität aller 20 bis 25 KI-Agenten. Die Outputs wurden drastisch besser: clevere E-Mail-Antworten, die seinen Stil trafen; perfekte Podcast-Vorbereitungen; präziser Newsletter-Support. Die zentrale Erkenntnis: "Der größte Wert aus KI kommt nicht aus der Technologie selbst, sondern aus dem Kontext, den wir ihr bereitstellen." Nicht das Modell macht den Unterschied, sondern das Wissen, das ihm zur Verfügung steht.

Die Wirkung bei Kunden: KI-Champions als Multiplikatoren

Ein Teil des AI-FIRST-Playbooks ist der Aufbau einer Community aus KI-Champions in Kundenunternehmen. Felix erzählt die Geschichte eines besonders engagierten Teilnehmers, der nach vier Wochen Training ein Einzelgespräch bat. Felix zeigte ihm sein persönliches KI-Setup — nicht die Automatisierung einzelner Prozesse, sondern die Hebelung der eigenen Zeit durch KI-Personas. Eine Woche später hatte der Kollege seinen gesamten Verantwortungsbereich — die Erstellung von Ad-Kampagnen — in ein Set aus mehreren KI-Assistenten überführt, die in einem Workflow zusammenarbeiteten. Er konnte sich damit mehrfach hebeln und begann, auch anderen Kollegen zu helfen, ihren Job aus KI-Perspektive zu hinterfragen.

Heute und morgen: Fünf Menschen, 25 Agenten

AI FIRST arbeitet heute mit fünf Menschen und 25 KI-Agenten. Die Integration in die eigenen Prozesse wurde sukzessive tiefer, aber Felix betont eine wichtige Voraussetzung: Bevor automatisiert werden kann, muss der Prozess robust sein. Da sich Angebote, Prozesse und interne Aufstellungen in der Aufbauphase ständig veränderten, machte voreilige Automatisierung wenig Sinn. Jetzt, mit stabileren Strukturen, steht die nächste Phase an: mehr Prozessautomation, KI tiefer ins Beratungsangebot integrieren und eigene KI-gestützte Tools entwickeln — etwa einen automatisierten Use-Case-Finder für die KI-Discovery.

Die Vision: "Ich habe wirklich Lust, ein richtiges AI-First-Beratungsangebot zu schaffen, wo ein Großteil von dem, was wir heute als Menschen für unsere Kunden tun, auch von KI gemacht werden kann." Kunden sollen sich entscheiden können, ob sie mit Menschen oder mit Silizium-basierten Intelligenzen arbeiten möchten.


Kernaussagen

  1. Menschen und ihre Zeit als Kern-Asset: "Das wertvollste Gut von Unternehmen sind immer noch die Menschen, die dort arbeiten. Und das wertvollste Gut der Menschen ist ihre Zeit." Zeitfreiheit, Wertschöpfung, Potenzialentfaltung
  2. KI als Gründungspartner: "Diese Zusammenarbeit mit KI, nicht als ein Tool, sondern eher als ein Kollege, fast schon mein Gründungspartner, das hat mir den Mut gegeben." Befähigung, Mut, Selbstständigkeit
  3. Kontext schlägt Technologie: "Der größte Wert aus KI kommt nicht aus der Technologie selbst, sondern aus dem Kontext, den wir ihr bereitstellen." Wissensbasis, zweites Gehirn, Output-Qualität
  4. Potenzial freisetzen statt nur optimieren: "KI ist mehr als nur Effizienz und Produktivität — eine enorm große Möglichkeit, das Potenzial freizusetzen, das heute versickert in alten Arbeitsweisen und Strukturen und Denkweisen." Transformation, Arbeitskultur, Paradigmenwechsel
  5. Erst stabilisieren, dann automatisieren: "Bevor automatisiert werden kann, muss der Prozess robust sein. Jeder einzelne Schritt in diesem Prozess muss klar sein." Prozessreife, Automation, Skalierung

Fazit und Takeaways

Für den eigenen Einstieg in KI

  • Mit Quick Wins starten: Nicht den perfekten Anwendungsfall suchen, sondern systematisch Produkt, Prozesse und People durchgehen und sofort umsetzbare Verbesserungen identifizieren.
  • KI als Teamkollegen denken: Der größte Nutzen entsteht nicht durch einzelne Prompts, sondern durch spezialisierte KI-Assistenten mit klaren Rollen und Persönlichkeiten.
  • Kontext vor Technologie: Die Qualität von KI-Outputs hängt weniger vom Modell ab als vom Wissen, das ihm zur Verfügung steht. Investition in eine eigene Wissensbasis zahlt sich mehrfach aus.

Für Unternehmen und Führungskräfte

  • Zeit freisetzen als oberstes Ziel: KI-Projekte sollten daran gemessen werden, ob sie Mitarbeitern mehr Zeit für wertschöpfende Arbeit verschaffen.
  • KI-Champions aufbauen: Eine Community aus besonders engagierten Mitarbeitern, die KI-Kompetenz in ihre Teams tragen, ist wirkungsvoller als zentrale Top-Down-Initiativen.
  • Erst stabilisieren, dann automatisieren: Prozessautomation macht nur Sinn, wenn die zugrunde liegenden Abläufe ausgereift und stabil sind.

Für Gründer und Selbstständige

  • KI als Gründungspartner nutzen: KI kann fehlende Expertise kompensieren und die Iterationsgeschwindigkeit so drastisch erhöhen, dass Experimente ohne großes Risiko möglich werden.
  • Mut durch Befähigung: Die tägliche Erfahrung, mit KI Dinge zu schaffen, die vorher unmöglich schienen, baut Selbstvertrauen für größere Entscheidungen auf.
  • Eigene Tools entwickeln: Wer seine Wertschöpfungskette versteht, kann Teile davon in KI-gestützte Produkte überführen und damit skalieren.

Felix' Reise zeigt, dass KI-Transformation keine rein technische Aufgabe ist, sondern eine persönliche Entwicklung. Der Weg vom unsicheren Hinterfragen der eigenen Fähigkeiten zum Aufbau eines Unternehmens mit 25 KI-Agenten illustriert, was möglich wird, wenn man KI nicht als Werkzeug, sondern als Partner begreift, der das eigene Potenzial freisetzt.

Felix Riedl

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