Als Head of AI darfst du nie aufhören zu lernen – die Innovation ist so rasant, dass Stillstand in dieser Rolle einem Rückschritt gleichkommt.
Paul Elvers
Head of AI
Funke Mediengruppe
Paul Elvers

#26Das 1. Jahr als Head of AI: Einblicke in FUNKE's KI Transformation

Intro

Paul Elvers, Head of AI bei der Funke Mediengruppe, gibt im AI FIRST Podcast tiefe Einblicke in seine Rolle und die KI-Transformation eines der größten deutschen Medienhäuser. Seit über einem Jahr treibt er die Integration von künstlicher Intelligenz in allen Bereichen des Unternehmens voran – von der Entwicklung einer KI-Strategie über Mitarbeiter-Upskilling bis hin zur Produktentwicklung. Im Gespräch mit Felix Schlenther wird deutlich: Die Medienbranche steht vor fundamentalen Veränderungen durch generative KI, doch gerade Lokaljournalismus und investigative Recherchen bleiben einzigartige Stärken, die keine KI ersetzen kann. Paul zeigt auf, wie die Balance zwischen technologischer Innovation und journalistischer Integrität gelingen kann – und warum der Mensch dabei immer im Mittelpunkt stehen muss.


Inhaltsübersicht

  • Die Rolle des Head of AI: Aufgaben, Herausforderungen und wie sich das Profil in einem Jahr entwickelt hat
  • KI-Strategie bei Funke: Von ethischen Leitlinien über Governance-Strukturen bis zur praktischen Implementierung
  • Teamaufbau und neue Berufsbilder: Welche Skills braucht es in KI-Teams und wie findet man die richtigen Talente
  • Upskilling und Weiterbildung: Vom KI-Führerschein über AI-Ambassadors bis zu regelmäßigen KI-Sprechstunden
  • KI-Kompetenzen nach EU AI Act: Wie Funke die gesetzlichen Anforderungen mit praxisnahen Lernformaten umsetzt
  • Journalismus in der KI-Ära: Wie Redakteure KI für Recherche, Brainstorming und Content-Verarbeitung nutzen
  • Answer Engines als Disruption: Die Herausforderung durch ChatGPT, Perplexity und Co. für traditionelle Medien
  • Differenzierung durch Authentizität: Warum Lokaljournalismus und exklusive Recherchen wichtiger werden
  • Innovation bei Funke: Der KI-Chatbot für Leckerschmecker als erstes konversationales Produkt
  • Zukunftsperspektiven: Wie die Balance zwischen KI-Nutzung und journalistischen Kernwerten gelingen kann

Über den Gast

Paul Elvers ist Head of AI bei der Funke Mediengruppe, einem der größten deutschen Medienhäuser mit mehreren tausend Mitarbeitenden. Seit über zehn Jahren ist er in der Daten- und KI-Welt tätig und kam vor etwa einem Jahr zu Funke, um zentral die KI-Transformation des Unternehmens voranzutreiben. In seiner Rolle berichtet er direkt an den Vorstand und verantwortet spatenübergreifend die KI-Strategie, Governance, Mitarbeiter-Upskilling sowie die Entwicklung innovativer KI-Produkte. Sein Team hat er im vergangenen Jahr systematisch aufgebaut – von AI-Engineers über Projektmanagerinnen bis zu Community-Managerinnen. Paul kombiniert technische Expertise mit strategischem Weitblick und der Fähigkeit, komplexe Transformationsprozesse in einem traditionsreichen Medienunternehmen zu orchestrieren.


Detaillierte Zusammenfassung

Die Entstehung der Head of AI-Rolle bei Funke

Als Paul Elvers im Februar 2024 bei der Funke Mediengruppe startete, war die Rolle des Head of AI noch nicht bis ins letzte Detail definiert. Die Kernaufgabe war klar: zentrale Koordination aller KI-Themen im Unternehmen. Doch wie Paul berichtet, entwickelte sich das Aufgabenfeld im ersten Jahr dynamisch und weit über die ursprünglichen Vorstellungen hinaus. Die Funke Mediengruppe ist als Spartenkonzern mit Regionalmedien, Digitalsparte, Zeitschriften und Dienstleistungsgesellschaften sehr breit aufgestellt – entsprechend komplex gestaltete sich die spartenübergreifende Integration von KI.

Die zentrale Positionierung mit direkter Berichtslinie zum Vorstand erwies sich als entscheidend, um die verschiedenen Perspektiven zu bündeln: technische Innovationen, Gesetzgebung durch die EU AI Act, Governance und Compliance, sowie Upskilling der Mitarbeitenden. "Wir haben einerseits das Thema der technischen Innovationen, wir haben aber gleichzeitig auch das Thema der Gesetzgebung, die KI-Verordnung, die jetzt in Kraft tritt, mit der wir uns auseinandersetzen müssen", erklärt Paul. Diese Vielschichtigkeit macht die Rolle so anspruchsvoll wie spannend.

Drei Säulen der KI-Transformation

Paul strukturiert seine Arbeit entlang von drei Hauptsäulen: Die erste Säule Organisationsentwicklung und Governance umfasst die Schaffung organisatorischer Rahmenbedingungen für den KI-Einsatz. Ein Meilenstein war die Verabschiedung der KI-Leitlinien, die fundamentale Prinzipien festlegen. Das wichtigste: "Der Mensch entscheidet" – alle KI-Nutzungen müssen an menschliche Entscheidungen rückgebunden sein, die Verantwortung bleibt beim Menschen. Transparenz ist ein weiterer Kernpunkt: Wenn KI eingesetzt wird, muss dies für User klar ersichtlich sein. Diese Leitlinien wurden gemeinsam mit dem Betriebsrat entwickelt und bilden die Basis für alle weiteren KI-Aktivitäten.

Der Mensch entscheidet – das ist sozusagen bei uns festgehalten. Alle Nutzungen von KI sind immer rückgebunden an den Menschen. Und es gilt auch immer, dass die Verantwortung beim Menschen weiter liegen soll.

Die zweite Säule Weiterbildung und Upskilling adressiert die KI-Kompetenzentwicklung im gesamten Unternehmen. Funke hat einen KI-Führerschein als digitale Grundlagenschulung eingeführt, bietet alle zwei Wochen eine KI-Sprechstunde für alle Mitarbeitenden an und hat eine AI-Ambassadors-Community etabliert. Dieses dezentrale Format bringt besonders begeisterte KI-Enthusiasten zusammen, die sich fortbilden und ihr Wissen in ihre Bereiche tragen. "Ich glaube, über die Erfahrung zu lernen, ist eine der wichtigsten Elemente", betont Paul. Deshalb legt Funke großen Wert darauf, allen Mitarbeitenden Raum zum Experimentieren zu geben.

Die dritte Säule Innovation und Produktentwicklung umfasst eine eigene Innovationsunit, ein Lab, in dem Pauls Team aktiv Use Cases und Prototypen entwickelt und testet. Ein erstes erfolgreiches Produkt ist der KI-Chatbot für Leckerschmecker, das Rezeptportal von Funke. Der Chatbot schlägt Nutzern Rezepte vor und interagiert mit ihnen – natürlich unter strikter Einhaltung der Transparenzregeln, sodass klar ist, dass es sich um KI handelt.

Teamaufbau und neue Berufsbilder

Der Aufbau des KI-Teams war eine der spannendsten Herausforderungen im ersten Jahr. Paul stellte fest, dass viele der benötigten Rollen noch gar nicht existierten und erst entwickelt werden mussten. Er orientierte sich an den drei Säulen und suchte Menschen mit unterschiedlichen Profilen: Eine Kollegin mit Stärken im Community Management und Weiterbildungskontext für die Upskilling-Säule, eine AI-Projektmanagerin mit Workshop- und Projektmanagement-Expertise für die Governance-Säule, und klassische AI-Engineers für die Produktentwicklung.

Bei allen war wichtig: eine genuine Affinität für KI-Themen. "Ich glaube, diese Rollen, die entstehen gerade und da werden wir bestimmt auch in den nächsten Wochen und Monaten noch sehen, dass neue Bezeichnungen vielleicht an der einen oder anderen Stelle gebraucht werden", sagt Paul. Die Rolle des AI-Engineers hat sich als Standard für KI-App-Entwickler etabliert, doch in der breiten Horizontale ist viel Bewegung. Paul zieht eine Parallele zu Data Science vor zehn Jahren: 2016 wurde es von McKinsey noch als "sexiest Job of the 21st Century" bezeichnet, Jahre später gab es Masterstudiengänge – davor kamen Data Scientists aus Statistik, Physik, Psychologie oder Software-Entwicklung.

Anforderungen an einen Head of AI

Was muss ein Head of AI heute mitbringen? Für Paul ist klar: "Es ist offensichtlich, dass diese Rolle absolut einen Querschnitt verschiedener Skills irgendwie mit sich bringen muss." Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen können die Position gut ausfüllen, doch ein Kernpunkt kristallisiert sich heraus: die Bereitschaft, ständig zu lernen. Nach einem Jahr in der Rolle ist Pauls Fazit eindeutig: Wer aufhört zu lernen, kommt nicht hinterher. Die Innovation ist so rasant, die Themen nehmen in allen Bereichen eher zu als ab.

Ein technisches Grundverständnis ist wichtig – man sollte verstehen, wie neuronale Netze funktionieren, wie Modelle trainiert werden. Aber es muss kein klassischer Software-Entwickler sein. Wichtiger ist der Mix: technisches Verständnis, strategisches Denken, Organisationsentwicklung, Projektmanagement, Kommunikation und die Fähigkeit, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Paul selbst entwickelt gerne noch hands-on mit, nutzt AI Coding Assistants und probiert neue Tools aus – doch der Großteil seiner Zeit geht für Koordination und Projektleitung drauf.

Wie bleibt man überhaupt auf dem Laufenden? Paul betont, dass er KI-Themen nicht alleine bearbeitet, sondern tolle Kollegen hat, die gemeinsam diese Herausforderung angehen. Bei technischen Innovationen schaut er gerne Live-Streams wie den OpenAI Launch von GPT-4.5 – auch wenn das mal abends von zehn bis elf ist. "Mir macht es total viel Spaß und ich glaube, es ist auch wichtig für diese Rolle, ja, ein Enthusiasmus für diese Entwicklung auch zu haben", sagt Paul. Dieser Enthusiasmus und die intrinsische Motivation, die Entwicklungen zu verstehen, sind essentiell.

KI-Kompetenzen und Upskilling nach EU AI Act

Mit dem EU AI Act kommen gesetzliche Anforderungen an KI-Kompetenzen auf Unternehmen zu. Funke hat sich bereits im letzten Jahr intensiv damit auseinandergesetzt und vieles in die Wege geleitet. Die KI-Leitlinien zahlen darauf ein, ebenso die verschiedenen Weiterbildungsmaßnahmen. Der KI-Führerschein steht allen Mitarbeitenden als digitales Lernangebot zur Verfügung. Die AI-Ambassadors-Community und die KI-Sprechstunde alle zwei Wochen schaffen niedrigschwellige Formate für Austausch und Fragen.

Zentral ist: Funke macht die Schulungen nicht verpflichtend, sondern setzt auf Ermutigung und intrinsische Motivation. Die Überzeugung dahinter: Lernen durch eigene Erfahrung ist der Schlüssel. Eine gute Kommunikation basiert darauf, dass Mitarbeitende selbst ausprobieren und erleben, wo KI ihnen nützt. Paul nennt eine Studie einer US-Ostküstenuniversität (Harvard oder MIT) mit Strategieberatern, die zeigte: Auf individueller Ebene, wenn Menschen KI für ihre spezifischen Workflows und Aufgaben nutzen, entsteht bereits ein messbarer Effizienzgewinn.

"Wenn wir das schaffen, und jeder nur quasi fünf oder zehn Prozent effizienter wird durch KI, dann haben wir unternehmensweit gesehen natürlich ein tolles Ergebnis", erklärt Paul. Deshalb ist es wichtig, in die Breite zu gehen und allen zu erlauben, in einem sicheren, geschützten Umfeld zu experimentieren. Nicht alles muss übernommen werden, aber die Erfahrung zu machen, ist entscheidend. Ein Vertrauensrahmen und Experimentierfreudigkeit sind die Basis für erfolgreiche KI-Adoption.

Journalismus in der KI-Ära

Wie arbeitet ein Journalist in der KI-Ära? Das ist sehr unterschiedlich und liegt zum Teil in der Eigenverantwortung der Redakteurinnen und Redakteure – natürlich innerhalb der Spielregeln der KI-Leitlinien. In den verschiedenen Sparten und Produkten von Funke – Regionalmedien mit Tageszeitungen, Digitalsparte, Zeitschriften – wird KI sehr unterschiedlich eingesetzt. Allgemein sieht Paul Potenziale in mehreren Bereichen:

Recherche: Generative KI ermöglicht völlig neue Zugänge zu Informationen. Große Textmengen können durch RAG-Technologie (Retrieval Augmented Generation) durchsucht werden. Funke kann eigene Wissensdatenbanken anlegen, Archive durchsuchbar machen oder Answer Engines für die Recherche nutzen. Das wäre fatal, nicht zu tun – allerdings müssen Journalisten die Funktionsweise dieser Systeme verstehen, über Halluzinationen Bescheid wissen und Quellen gründlich prüfen. Trotzdem: großer Mehrgewinn.

Kreative Nutzung: KI kann Artikel aus unterschiedlichen Perspektiven bewerten, Feedback aus verschiedenen Blickwinkeln geben oder beim Brainstorming unterstützen. Paul nennt ein spannendes Beispiel: Semaphore Signals, ein Produkt des amerikanischen Medienhauses Semaphore in Zusammenarbeit mit Microsoft. Signals extrahiert aus einer großen Menge verschiedener Berichterstattungen zu einem Thema Fakten und unterschiedliche Standpunkte – und präsentiert diese strukturiert. Ein holistischer Blick statt eindimensionaler Perspektive. Solche neuen Produktformate sind mit KI denkbar.

Produktentwicklung: Der Leckerschmecker-Chatbot ist Funkes erstes konversationales Produkt. User können mit dem Bot interagieren, der Rezepte vorschlägt – transparent als KI ausgewiesen. Die Frage, wie Inhalte über neue Interfaces zur Verfügung gestellt werden, beschäftigt Funke intensiv. Die Balance ist entscheidend: "Das Problem ist ja, wir Menschen sind nicht so gestrickt, dass wir gerne die Kontrolle an das ominöse Nichts, die KI, abgeben", sagt Paul. Der Mensch bleibt im Loop, behält die Kontrolle, trägt die Verantwortung.

Answer Engines als Disruption und Chance

Answer Engines wie ChatGPT, Perplexity oder die Internetsuche von OpenAI verändern fundamental, wie Menschen Informationen beziehen. Felix berichtet aus eigener Erfahrung: Diese Apps werden zu Go-To-Tools für Informationsbeschaffung, Weiterverarbeitung, als Sparringspartner – sowohl beruflich als privat. Selbst seine Mutter nutzt ChatGPT per Voice-Eingabe. Die Nutzung wird natürlich, die Schwelle sinkt. Für Medienhäuser bedeutet das: potenzieller Traffik-Verlust, wenn User nicht mehr auf die Websites kommen, sondern Antworten direkt in Chatbots erhalten.

Gleichzeitig entstehen neue Chancen: OpenAI und Anthropic haben mit großen Medienhäusern Deals gemacht, um exklusiv deren Inhalte zu nutzen. Ein potenziell spannender neuer Kanal und Umsatztreiber. Die Branche ist zweigeteilt: Einige gehen Partnerschaften ein, andere klagen. Für Paul ist klar: "Keine Branche bleibt ausgespart von der Disruption durch KI, auch nicht die Medienbranche." Texte, Videos, Reportagen, Newsartikel – generative KI ist sehr gut in dem, was bisher Menschen gemacht haben. Daraus ergibt sich eine besondere Dringlichkeit, sich damit auseinanderzusetzen, zu experimentieren und Antworten zu finden.

Ein großes Thema wird SEO auf Answer Engines: Wie wird man relevant auf diesen Plattformen? Wie nimmt man den Referral Traffic mit, der vielleicht von klassischen Suchmaschinen abwandert? Funke beobachtet den Markt intensiv – andere Medienhäuser, Plattformen wie Perplexity. Die neuen Produkte verändern, wie User Informationen und News beziehen. Die Frage: Wie reagieren wir darauf?

Differenzierung durch Authentizität und Lokaljournalismus

Doch es gibt einen gegenläufigen Trend: In der Zeit der Informationsflut und der Commoditization von Nachrichten entsteht ein erhöhter Bedarf nach Authentizität und vertrauenswürdigen Quellen. Hier sieht Paul eine große Stärke von Funke: "Wir haben diese großen Traditionsmarken wie beispielsweise das Hamburger Abendblatt in Hamburg und haben tolle Redakteurinnen und Redakteure, die eben sich sehr viel Mühe geben, auch aufwendig zu recherchieren."

Paul nennt eine spannende Beobachtung zu Deep Research von ChatGPT: Das Tool funktioniert hervorragend in Bereichen, wo im Internet bereits Massen an Wissen akkumuliert sind. Aber sobald man in Randbereiche geht, wo es noch keinen Blog-Eintrag, keine Wikipedia-Seite gibt, liefert Deep Research keine guten Informationen. "Und ich glaube, das ist eins unserer stärksten Assets", sagt Paul. Lokaljournalismus und Regionaljournalismus berichten über Dinge, die noch nicht im Internet vorhanden sind – über das, was in den Regionen jetzt gerade passiert und was die Menschen bewegt. Das wird nicht in naher Zukunft von Modellen abgelöst, weil diese exklusiven Inhalte ein großer Schatz sind.

Auch investigative Recherchen, wo Journalisten über lange Zeiträume Missstände aufdecken und tief recherchieren, bleiben einzigartig. KI kann diese Arbeit nicht erledigen – aber als Unterstützung nutzen, um Rechercheergebnisse effizient umzusetzen und für unterschiedliche Zielgruppen aufzubereiten. In dieser Verbindung liegt die Kraft.

Erfolgsfaktoren für die KI-Transformation

Was sind die Erfolgsfaktoren, damit Funke die KI-Transformation meistert? Paul sieht zwei zentrale Aufgaben: Erstens, das fortsetzen, worin Funke gut ist – guten Journalismus für eine offene Gesellschaft machen. Dorthin gehen, wo Dinge passieren, über Themen berichten, die Menschen bewegen, an den Orten, wo sie stattfinden. Zweitens, sich offen und experimentierfreudig mit der Technologie auseinandersetzen. Schauen, wo KI intern genutzt werden kann, um Prozesse zu erleichtern, effizienter zu gestalten, besser zu werden.

"Wenn wir das gut balancieren, dann wird uns das auch gelingen, diese Technologie erfolgreich in unser bestehendes Geschäftsmodell und in unsere Wertevorstellung zu integrieren", fasst Paul zusammen. Die Balance zwischen Innovation und Bewahrung journalistischer Kernwerte – das ist der Schlüssel. KI soll unterstützen, nicht ersetzen. Der Mensch entscheidet, der Mensch trägt Verantwortung. Transparenz muss gewährleistet sein. Wenn diese Prinzipien eingehalten werden, kann die Integration gelingen.

Nach etwa einem Jahr als Head of AI ist Paul optimistisch: Die Grundlagen sind gelegt, die Strukturen etabliert, erste Erfolge sichtbar. Die KI-Nutzung bei Funke liegt schätzungsweise zwischen 20 und 30 Prozent der Mitarbeitenden – ein solides Mittelfeld. Der Weg ist noch lang, aber die Richtung stimmt.


Kernaussagen

  1. Vielschichtigkeit der Head of AI-Rolle — "Wir haben einerseits das Thema der technischen Innovationen, wir haben aber gleichzeitig auch das Thema der Gesetzgebung, die KI-Verordnung, die jetzt in Kraft tritt, mit der wir uns auseinandersetzen müssen." KI-Verordnung, Governance, Innovation
  2. Menschliche Verantwortung als Fundament — "Der Mensch entscheidet – das ist sozusagen bei uns festgehalten. Alle Nutzungen von KI sind immer rückgebunden an den Menschen. Und es gilt auch immer, dass die Verantwortung beim Menschen weiter liegen soll." KI-Leitlinien, Transparenz
  3. Lernen durch Erfahrung — "Ich glaube, über die Erfahrung zu lernen, ist eine der wichtigsten Elemente. Gerade im Umgang mit neuer Technologie." Upskilling, Experimentierfreude
  4. Querschnitt-Skills für KI-Führung — "Es ist offensichtlich, dass diese Rolle absolut einen Querschnitt verschiedener Skills irgendwie mit sich bringen muss. Und man kann sozusagen mit verschiedenen Lebensläufen, glaube ich, an diese Position kommen." Head of AI, Diversität der Zugänge
  5. Ständige Weiterentwicklung — "Wenn man einen Kernpunkt rauskristallisieren kann, dann ist es eben der, dass man sich ständig weiterentwickeln muss und ständig neue Dinge hat, mit denen man sich auseinandersetzen muss." Lebenslanges Lernen, Rasanz der KI-Entwicklung
  6. Disruption für alle Branchen — "Keine Branche bleibt ausgespart von der Disruption, die durch KI geschieht, und eben auch nicht die Medienbranche." Generative KI, Medienbranche
  7. Lokaljournalismus als stärkstes Asset — "Das ist eins unserer stärksten Assets, dass wir gerade auch im Lokaljournalismus, im Regionaljournalismus einfach sehr, sehr stark sind und eben auch dahin gehen, wo Dinge passieren, die nicht schon im Internet vorhanden sind." Exklusive Inhalte, Differenzierung
  8. Balance als Schlüssel — "Wenn wir das gut balancieren, dann wird uns das auch gelingen, diese Technologie erfolgreich in unser bestehendes Geschäftsmodell und in unsere Wertevorstellung zu integrieren." Innovation und Tradition, Werteintegration

Fazit und Takeaways

Für Unternehmen, die KI-Rollen aufbauen

  • Zentrale Koordination ist entscheidend: Eine Head of AI-Position, die direkt an die Geschäftsführung berichtet und spartenübergreifend arbeitet, bündelt die vielfältigen Perspektiven – von technischer Innovation über Compliance bis Upskilling.
  • Drei-Säulen-Modell als Orientierung: Organisationsentwicklung & Governance, Weiterbildung & Upskilling sowie Innovation & Produktentwicklung decken die wesentlichen Handlungsfelder ab.
  • Neue Berufsbilder entwickeln sich gerade: AI-Engineers sind etabliert, doch Rollen wie AI-Projektmanager oder Community Manager mit KI-Affinität entstehen erst. Flexibilität und Experimentierfreude beim Teamaufbau sind gefragt.
  • Skills eines Head of AI: Mix aus technischem Verständnis, strategischem Denken, Projektmanagement, Kommunikation und vor allem: Bereitschaft zum lebenslangen Lernen und Enthusiasmus für die Technologie.

Für die KI-Weiterbildung und Change Management

  • Freiwilligkeit statt Zwang: Funke macht KI-Schulungen nicht verpflichtend, sondern setzt auf Ermutigung, Experimentierfreude und intrinsische Motivation – mit Erfolg.
  • Lernen durch Erfahrung: Der wichtigste Hebel ist, Mitarbeitenden Raum zu geben, KI selbst auszuprobieren und für ihre individuellen Aufgaben zu nutzen. Schon 5-10% Effizienzgewinn pro Person summieren sich unternehmensweit.
  • Niedrigschwellige Formate etablieren: KI-Führerschein, AI-Ambassadors-Community und regelmäßige KI-Sprechstunden schaffen vielfältige Zugänge für unterschiedliche Lerntypen.
  • Vertrauensrahmen schaffen: Klare Leitlinien ("Der Mensch entscheidet", Transparenz, Verantwortung beim Menschen) geben Sicherheit und ermöglichen Experimentieren innerhalb definierter Grenzen.

Für Medienhäuser und Content-Unternehmen

  • Disruption anerkennen: Generative KI ist sehr gut in dem, was bisher Menschen in Medienhäusern gemacht haben. Die Bedrohung ist real, aber auch die Chancen.
  • Answer Engines als neue Realität: ChatGPT, Perplexity & Co. verändern, wie Menschen Informationen beziehen. SEO auf Answer Engines wird ein zentrales Thema. Gleichzeitig entstehen neue Distributionskanäle und Umsatzmodelle.
  • Differenzierung durch exklusive Inhalte: Lokaljournalismus, investigative Recherchen und authentische Berichterstattung vor Ort sind Assets, die KI nicht replizieren kann. Diese Stärken gilt es auszubauen.
  • Authentizität als Gegenbewegung: In der Informationsflut wächst das Bedürfnis nach vertrauenswürdigen Quellen. Traditionsmarken mit journalistischer Integrität haben hier einen nachhaltigen Vorteil.
  • KI als Werkzeug für Journalisten: Recherche-Unterstützung durch RAG, kreative Nutzung für Perspektivenwechsel, Brainstorming und neue konversationale Produktformate – die Möglichkeiten sind vielfältig, solange der Mensch die Kontrolle behält.
Die KI-Transformation in der Medienbranche ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Funke zeigt: Mit klaren Werten, einem strukturierten Ansatz und dem Mut zum Experimentieren kann die Balance zwischen Innovation und journalistischer Integrität gelingen. Der Mensch bleibt im Zentrum – KI ist das mächtige Werkzeug, das unterstützt, nicht ersetzt.

Zum Gast: Paul Elvers

Felix Riedl

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